Deutsche Oper Berlin | Edward II © Monika Rittershaus
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Deutsche Oper Berlin - "Edward II."

Bewertung:

Ein Kompositionsauftrag der Deutschen Oper hatte seine Uraufführung. Ein Werk, das sich dem Leben des homosexuellen englischen Königs Edward II. (1284-1327) widmet. Mehr davon?

Ich fand’s eher so: "ganz nett". Das Publikum indes reagiert mit emphatischem Zuspruch auf diesen "Edward II." Den Leuten kann geholfen werden. Fazit: Eher mehr davon!

Es funktioniert

Es liegt an der Dramatik des Stoffes aus der Shakespeare-Zeit. (Edward II. regierte zu Anfang des 14. Jahrhunderts.) Librettist Thomas Jonigk greift nicht nur auf die Tragödie von Christopher Marlowe, sondern auf teilweise noch ältere Quellen zurück. Mit dem Blick aufs Publikum komponiert und auf dem Silbertablett präsentiert, lernt man: Wenn man sich Mühe gibt, funktioniert’s auch.

Deutsche Oper Berlin | Edward II © Monika Rittershaus
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Mit den handelsüblichen Klischees

Autor Jonigk lässt sich recht eindimensional auf die Geschichte des schwulen Königs ein. Die politischen Aspekte, die bei Marlowe eine erhebliche Rolle spielen, werden zu stark unter den rosa Teppich gekehrt. Regisseur Christof Loy kann sich die handelsüblichen Klischees nicht versagen: Federfächer, Glitzerfummel und Ledergeschirr.

Nagy mit energischem Bariton

Die Musik von Andrea Lorenzo Scartazzini ist in Ordnung: Klanggesträuch, über dem sich ein deklamativer (Sprech-)Gesang erhebt. Michael Nagy singt die Titelrolle mit energischem, etwas klangneutralem Bariton. Mindestens ebenso gut: Ladislav Elgr als sein Tenor-Liebhaber Gaveston und Agneta Eichenholz als Ehefrau, die – in einer kleinen, eigenen Emanzipationsgeschichte – mit den Mördern ihres eigenen Mannes konspiriert.

Williges Publikum

Der Erfolg des Abends liegt am Werk – und ebenso sehr am willigen, sich überzeugen und umgarnen lassenden Publikum.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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