Sir Simon Rattle © Monika Rittershaus
© Monika Rittershaus Download (mp3, 5 MB)

Berliner Philharmoniker - Simon Rattle dirigiert "Herzog Blaubarts Burg"

Bewertung:

In drei Konzerten führen die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle die Oper "Herzog Blaubarts Burg" auf, die lange als unaufführbar galt. Mit dabei sind die Gesangssolisten Rinat Shaham und Gábor Bretz sowie der Schauspieler Ulrich Noethen. Dazu kombinieren die Philharmoniker ein neues Klavierkonzert von HK Gruber mit Emanuel Ax als Solist.

Das Klavierkonzert von HK Gruber bewegt sich zwischen improvisiertem Freejazz und komponierten Variationen. Wie Quecksilber wechseln die Rhythmen und Stimmungen dieses insgesamt sehr prickelnden Stücks. Emanuel Ax ist der Widmungsträger des Stückes und lieferte seinen äußerst komplizierten Part cool ab - ein Jazzer wird er deshalb trotzdem nicht, genauso wenig wie die Philharmoniker. Aber das ist eben auch die Crux eines äußerst komplexen und festgelegten Stücks Improvisation.

Die Verletzlichkeit des Massenmörders

Man sollte als Frau nie zu viel vom Mann erfahren wollen, keine letzten Türen seines Trieblebens öffnen wollen - es kann tödlich ausgehen wie bei Bartoks "Blaubarts Burg". Gabor Bretz wirkte erst noch unterkühlt, um dann die ganze harte Verletzlichkeit des Massenmörders an die Oberfläche zu bringen. Rinat Shaham war zugleich Opfer und Täterin, instinktiv weiß sie, dass sie ihren Tod provoziert.

Eine packende Interpretation

Liebessehnsucht, großer Mut, Herrschsucht über den Mörder - all das kam in dieser packenden Interpretation zum Vorschein. Diese Musik ist Rattles Ding, alle Farben und psychologischen Untertöne waren bei den Philharmonikern packend realisiert - wenn auch mal wieder punktuell zu laut. Ein Stück, das auch zur Selbstbefragung führt - mehr kann man nicht verlangen!

Clemens Goldberg, kulturradio

Weitere Rezensionen