Haus der Berliner Festspiele | Circus - Die Compagnie du Chaos mit Nebula © Vasil Tasevski
Vasil Tasevski
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Haus der Berliner Festspiele - "Circus" - Die Compagnie du Chaos mit "Nebula"

Bewertung:

Das Haus der Berliner Festspiele etabliert "Circus" als feste Programmsparte. Zweimal im Jahr werden Produktionen zeitgenössischer Zirkuskunst aus ganz Europa gezeigt. Die Companie du Chaos machte mit "Nebula" den Auftakt: sehr tänzerisch, mit opulenten Lichtskulpturen und eindringlichem Sound werden Emotionen freigesetzt.

Es hat sich ein wenig angebahnt, das zeitgenössischer Zirkus auch in Deutschland, seinen Platz findet, gerade in Berlin: das Chamäleon-Theater hat in letzter Zeit vermehrt europäische Kompanien geholt und seit zwei Jahren gibt es das Berlin Circus Festival. Die Organisatoren dieses Festivals sind jetzt auch im Haus der Berliner Festspiele für die Sparte "Circus" zuständig. Zeitgenössischer Zirkus scheint in der Hochkultur angekommen zu sein

Haus der Berliner Festspiele | Circus - Die Compagnie du Chaos mit Nebula © Vasil Tasevski
© Vasil Tasevski

Spektakuläre Figuren

Die erste Gastkompanie kam jetzt aus Frankreich: die Compagnie du Chaos von Rafael de Paula, ein Artist, der am chinesischen Mast arbeitet, aber nicht wie man es aus spektakulären Zirkusnummern kennt, mit durchgestrecktem Körper und spektakulären Figuren. Er benutzt dieses alte Zirkusinstrument für sehr geschmeidige, tänzerische Bewegungen.

Eindringlicher Sound

In dem Stück "Nebula" arbeitet Rafael de Paula erstmals mit einer Partnerin, Ania Buraczynska. Es geht um die Entwicklung einer Liebesbeziehung, um die Veränderungen dieser Beziehung, anfangs mit sehr geschmeidigen Bewegungen rund um den vertikalen Mast, umeinander, ineinander verschlungen, fast wie in Zeitlupe – grazil, zärtlich, sehr leicht. Diese anfängliche Leichtigkeit wandelt sich dann im Laufe des Stückes: Distanz, Entzweiung, kämpferische Elemente, bis sich die Körper wieder annähern.

Die Bewegungen der Artisten, der eindringliche Sound und die Lichtskulpturen lassen den Zuschauer in einen mehrdimensionalen Raum gleiten, in dem mal mehr mal weniger konkret, Emotionen entstehen: wenn zum Beispiel das Licht mit Nebelwolken einen zweiten Boden zu bilden scheint, der die Artisten verschwinden lässt und allmählich abhebt, entsteht ein Gefühl der Euphorie, bei dem durch düsteren Hintergrundsound bereits bedrohliche Elemente mitschwingen.

Spannende Idee

Das Eintauchen in diese mehrdimensionalen Bilder funktioniert nicht in jedem Moment gleich intensiv; die Bewegungen verschwinden teilweise etwas hinter den opulenten Lichtskulpturen und dem massivem Sound. Wenn aber das Licht wie Bombenblitz im Auge sticht und der dumpfe Bass-Sound wie ein verletztes Herz tief wummert, geht das fast an die eigenen körperlichen Grenzen und hinterlässt damit in jedem Fall starke Sinneseindrücke. "Nebula" ein sehr intimes, persönliches Stück, das eine traditionelle Zirkusdisziplin ganz neuartig einsetzt. Es wird in jedem Fall interessant, welche Kompanien die neue Sparte "Circus" noch ins Haus der Berliner Festspiele holen wird!

Frauke Thiele, kulturradio

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