Der kasachische Dirigent Alan Buribayev; © IMG Artists
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Berliner Philharmonie - Alan Buribayev leitet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin

Bewertung:

Der kasachische Dirigent präsentierte einen Abend mit russischer Musik. Neben Werken von Michail Glinka und Mili Balakirew standen auch Tschaikowskys Rokoko-Variationen auf dem Programm – gespielt von dem Cellisten Daniel Müller-Schott.

Alan Buribayev grüßt zu Beginn den Konzertmeister: keine Regung im Gesicht von Wei Lu - kühl offenbar. Dann rudert Buribayev sich unentwegt heftig durch das Programm. Kaum Differenzierung oder erkennbare Wirkung auf das Orchester. Das ist in sehr guter Form, also geht es auch ohne. Allerdings hätte man sich in Glinkas Tänzen doch weniger Schwerkraft auf den Takten und weniger bleierne Füße gewünscht.

Daniel Müller-Schott zu Gast im kulturradio; Foto: gb
© Gregor Baron

Daniel Müller-Schott nimmt Tschaikowskys "Rokoko-Variationen" sehr romantisch, mit dem warmen und mächtigen Ton seines Gofriller Cellos. Man könnte sich das sehr viel schlanker und klassizistischer vorstellen. Müller-Schott ist aber ein sich weit öffnender Musiker, der mit viel Differenzierung und Hingabe für sich einzunehmen weiß, besonders in den langsamen Variationen. Die Virtuosität stellt sich dabei ganz locker und fast nebenbei dar - insgesamt überzeugend.

Mili Balakirev war ein Förderer der neuen Musik um 1860. Seine 1. Sinfonie lag allerdings bis 1890 unvollendet im Schrank. So ergibt sich eine Mischung aus schroffem ersten Satz und den später hinzukomponierten Mittelsätzen, die schon ganz nach Tschaikowsky klingen. Historisch interessant, aber man weiß dann auch, warum sich das nicht durchsetzte.

Buribayev blieb bei seinem pauschalen Stil, der leider nicht die Rätsel des 1. Satzes aufklären konnte. Die sehr schmissige Folklore des Finalsatzes blieb noch lange im Gedächtnis.

Clemens Goldberg, kulturradio

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