Concerto Melante © Alessandro Cappone
Alessandro Cappone
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Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal - Concerto Melante und das Gambenconsort Phantasm

Bewertung:

Gestern waren zwei herausragende Ensembles der Alte-Musik-Szene im Kammermusiksaal der Philharmonie zu erleben. Ein sehr gelungener Beitrag zur Passionszeit.

Die Betrachtung der Wunden am Körper Christi erscheint erst einmal nicht gerade zeitgemäß. Dabei werden auch wir täglich mit Fernsehbildern von Gewalt und Blut konfrontiert. Gegen diese Bilder schottet man sich innerlich ab. Der Mensch im Barockzeitalter hatte eine gegenteilige Strategie: Bewältigung durch genaue Betrachtung.

Dietrich Buxtehude zeigt die Leiden drastisch in musikalischen Bildern, die Versform der lateinischen Vorlage aus dem 13.Jh. bringt aber auch häufig tänzerische Musik hervor. Immer auch erscheint die Erlösung umso wahrscheinlicher, je größer die Leiden Christi waren.

Barock versiert

Von der prominenten Sängerriege stach vor allem Alex Potter heraus, der am meisten die intensiven emotionalen Zustände durchlebte. Aber seine MitsängerInnnen ließen sich auch immer mehr vom Geist der Musik anstecken und kamen immer mehr aus sich heraus. Concerto Melante begleitete sie barock versiert.

Ein sehr gelungener Beitrag zur Passionszeit

Als Interpunktionen und meditative musikalische Pausen zwischen den heftigen Bildern der Texte bot das ausgezeichnete Gambenensemble Phantasm Höhepunkte der englischen Consort Literatur des frühen 16. Jahrhunderts. Sie ergriffen in ihrer vollendeten Balance zwischen unglaublichem Kontrapunkt und sinnlichen Schwingungen mindestens so sehr wie Buxtehude. Ein sehr gelungener Beitrag zur Passionszeit.

Clemens Goldberg, kulturradio

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