Die chinesische Pianistin Ran Jia bei Aufnahmen im Kleinen Sendesaal; Foto: Carsten Kampf
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Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal - Ran Jia

Bewertung:

Die junge Pianistin Ran Jia fällt durch ihre Vorliebe für Schubert auf. Derzeit präsentiert sie an vier Abenden ihren Schubert-Zyklus.

Ran Jia ist eine sympathische, ganz bei sich bleibende Pianistin, die niemals ins Publikum schaut, allerdings auch keinerlei Einblicke in ihr Innenleben eröffnet

Sie spielt mit perlenden Läufen, klar, mit schönem Ton. Wenn es lauter wird, dann wird es allerdings oft zäh und mulmig. Mit ihr bewegt man sich wie mit Autopilot durch die Partitur. Denn wir sind immer nur gerade in einem Takt, niemals entstehen Entwicklungen, Kraftzentren, Gegensätze, formale Abläufe bleiben statisch. So muss es sich in Zukunft anfühlen, wenn wir mit einem Elektroauto ferngesteuert durch die Städte summen.

Geradezu unglaublich, dass diese Pianistin, die Schubert nach ihren Worten "liebt", ihm auch nicht einen Augenblick nahe kommt. Kein Tod, kein Hoffen, kein Scheitern, kein Lieben, keine Verzweiflung. Nur schöne Oberfläche. Einerseits gut, dass Ran Jia offenbar keine schlimmen Dinge kennt, traurig, dass ihr Spiel ganz ohne wirkliches Leben bleibt.

Clemens Goldberg, kulturradio

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