Hans Otto Theater Potsdam: Abend über Potsdam: Florian Schmidtke (Bodo Imhoff), Marianna Linden (Lotte Laserstein), Nina Gummich (Lise Henkel), Meike Finck (Traute Rose), Philipp Mauritz (Ernst Rose) Foto: HL Böhme
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Hans Otto Theater Potsdam - "Abend über Potsdam"

Bewertung:

Spannende Idee: Theaterautoren – Lutz Hübner und seine häufige Ko-Autorin Sarah Nemitz – nehmen ein bekanntes Bild und schreiben ein Stück über dessen Entstehung. Das Bild "Abend über Potsdam§ von Lotte Laserstein, entstanden 1929/ 30.

Bezwingender Auftakt

Kluger Einfall zum Auftakt: Das Bild ist, riesengroß, auf einem Vorhang zu sehen, bevor das Spiel beginnt. Auf dem Bild: drei Damen, zwei Herren, auf einer Terrasse, um einen Tisch gruppiert, der karg gedeckt ist. Im Hintergrund die Silhouette Potsdams zur Entstehungszeit.

In der ersten Szene sind die Fünf und die Malerin am Ort des Geschehens, stellen sich einander vor, werden damit dem Publikum vorgestellt. Da sind das Profi-Modell, die junge Proletarierin, der Journalist, der Dramaturg mit seiner Gattin sowie die Künstlerin selbst. Zehn Szenen sind es insgesamt. Die neun nach dem Auftakt spielen im Atelier von Lotte Laserstein.

Zwischen den Bildern gibt es O-Ton-Collagen und Stummfilmsequenzen, projiziert auf stilisierte Atelier-Fenster, die von der Decke heruntergelassen werden. Es sind Töne und Bilder, die den Alltag 1929/ 30 spiegeln.

Es fehlt an Spannung

Leider kommt keine Spannung auf. Denn es wird keine Geschichte erzählt, die zu Reibung einlädt oder Identifikation. Dazu sind die Figuren zu sehr Typen statt Charaktere, ist ihr Reagieren oder auch Nicht-Reagieren auf die Veränderungen der Zeit – den Aufmarsch des Nazi-Wahns – zu grob und holzschnittartig skizziert. Mit dem heutigen Wissen ahnt man immer sehr schnell, was kommt. Zudem müssen die Schauspieler zu viele Sätze aufsagen, die nur dazu dienen, Zeitkolorit zu transportieren, etwa "Man schätzt die Landschaften, wenn die Zeiten stürmisch sind." Das klingt oft arg papieren. Wie auch die dicken Verweise auf unsere Gegenwart, wenn da etwa Sätze fallen wie "Das wird man schon noch sagen dürfen."

Die Akteure mühen sich

Die Schauspielerinnen und Schauspieler mühen sich. Doch man spürt diese Mühe allenthalben. Das vergällt einem den sich bei einer Kürze von nicht mal zwei pausenlosen Stunden arg hinziehenden Abend. Zum Schluss wird’s richtig arg, wenn das Stück mit einer sehr simplen Bilderklärung nach dem Motto "Was will uns die Künstlerin sagen?" endet: "Ein Bild der Zeit. Das sind wir, wie wir waren, was wir sind." Das Bild selbst erzählt mehr, viel mehr.  

Peter Claus, kulturradio

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