Berliner Ensemble, Wahrzeichen auf dem Dach; Foto: © Carsten Kampf
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Berliner Ensemble - "Die Danksager - Bunter Abend"

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Die Uraufführung von "Die Danksager" war vom Berliner Ensemble als "Bunter Abend" angekündigt worden. Eine Ankündigung, die alles und nichts verheißt, Unterhaltung als erstes. Und die gab's tatsächlich – Dank Bob Dylan.

Er, Bob Dylan, der Ausgezeichnete, dominiert die Bühne. Genauer gesagt: zehn Bob-Dylan-Imitatorinnen und -Imitatoren. Die proben mögliche Danksagungen an die Schwedische Akademie für den Literatur-Nobelpreis. Und das x-Mal. Damit danken die Mitglieder des Schauspielensembles natürlich vor allem sich selbst – für ihre Zeit an diesem Berliner Theater und ihrem nun zum Ende der Spielzeit scheidenden Intendanten Claus Peymann, der von ihnen an diesem Abend nur liebevoll-spöttisch "der General" genannt wird.

Wie dies, so ist der Abend: launig, auch larmoyant, manchmal klug, gern auch kalauernd, geprägt von zuckriger Melancholie – gepfeffert mit schön-schrägem Singen von Bob-Dylan-Songs.

Schön-schräges Singen und manches Seufzen

Allerdings: Der Abend ist weniger bunt, wird insbesondere von den Farben der Tristesse geprägt, der Traurigkeit, dass eine Ära zu Ende geht – eine Ära, für die hier die Bob-Dylan-Songs stehen, die Ära, in der Künstler, wenn es um den Anstoß gesellschaftlich relevanter Diskussionen geht, oft ganz vorne standen – wie einst auch, vor seiner Zeit am BE, der scheidende Intendant Claus Peymann. Lang ist's her – und dieses "lang ist's her" gibt dem Abend einen eher dunklen Anstrich, dient eher dem Seufzen, denn der Gelassenheit, gar dem Frohsinn.

Martin Seifert ragt aus dem Schauspielensemble heraus

Das Schauspiel-Ensemble war zahlreich vertreten. Den Vogel hat für mich Martin Seifert, ein Urgestein des BE, abgeschossen. Neben den Bob-Dylan-Imitatoren treten auch Theatermitarbeiter auf, Seifert als Dramaturg. Und wie er spitzbübisch-weinerlich das Klagelied des immer übersehenen, nie ausgezeichneten, dafür gern angebrüllten Künstlers im Schatten singt, das ist schlichtweg hinreißend.

Und dann ist da Carmen-Maja Antoni als General, also alter ego von Claus Peymann, die ein paar Watschen verteilt gegen all die, die gegen die Claus Peymann selbst schon so oft so gern und so laut gewettert hat. Nett ist das.

Buhs und Bravos

Am Ende gab's vom Publikum Buhs und Bravos. Beides ist zu verstehen. Die Buhs galten vor allem dem Autoren-Duo Leander Haußmann und Sven Regener. Sie haben tatsächlich zu wenig Gehaltvolles geboten. Und: Der Abend sieht sich an, als hätten sie sich, freundlich gesagt, heftig von Robert Altmans letztem Kino-Spielfilm "A Prairie Home Companion" anregen lassen. Schad' nur, dass sie dessen Intelligenz nicht übernommen haben, sondern mehr, zu viel, auf Sentiment setzen.

Aber, es gab auch viele Bravos. Und, ja: Dylan-Fans, Peymann-Fans, Theater-Fans dürfen jubeln, denn sie bekommen reichlich Gelegenheit, sich in ihrer jeweiligen Zuneigung einzukuscheln. Zur Belohnung gibt's dann auch hübsche Sprüche mit auf den Nachhauseweg, etwa diesen: "Man muss sich nciht alles gefallen lassen – auch nicht von Ikea oder von Astrid Lindgren."

Peter Claus, kulturradio

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