Konzerthausorchester Berlin; © Marco Borggreve
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Konzerthaus Berlin - Hector Berlioz: "Grande Messe de Morts"

Bewertung:

Der Philharmonische Chor Berlin und die Berliner Singakademie fanden zu einem homogenen Klang zusammen - aber Beseelung wollte nicht recht gelingen.

Das gewaltige Aufgebot an Sängern und Instrumentalisten muss 1837 eine ungeheure Wirkung ausgeübt haben. Heute ist Masse und Lautstärke nicht mehr so spektakulär. Zwei Chöre, riesige Orchesterbesatzung mit acht Pauken (damals 16…) und vier oben postierte Bläserensembles für die Höllenszenen sind aber auch heute noch beeindruckend. Dabei setzt Berlioz ganz auf Vielfalt, auf überraschende und subtile Mischungen und Kontraste.

Beseelter Solist

Das macht heutigen Orchestern offenbar Mühe. Die Flammen des Höllenfeuers wurden von Paul McCreesh zwar energisch angefeuert, aber die Präzision der einzelnen Flammen wollte einfach nicht zu einem dynamischen Feuer werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Erstaunlich, wie der Philharmonische Chor Berlin und die Berliner Singakademie zusammen zu einem homogenen Klang fanden, gute Aussprache, alles schlank und sauber. Aber die Beseelung wollte dann auch hier nicht recht gelingen. Da bräuchte es bei allen Beteiligten mehr Probezeit und vielleicht auch noch einen wirkungsvolleren Dirigenten. Am eindrucksvollsten gelang das Solo von Robert Murray vom oberen hinteren Saal, ein beseelter Sänger.

Historische Avantgarde

Insgesamt steht diesem vom Komponisten als sein bestes eingeschätzten Werk nicht nur der Aufwand entgegen. Es ist historisch Avantgarde, sehr interessant. Aber Verdi ist sicher weniger komplex und ungehemmt in seinen Mitteln. Ergreifend ist er allemal mehr.

Clemens Goldberg, kulturradio

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