Jörg Widmann, Komponist und Klarinettist, im Haus des Rundfunks, Großer Sendesaal, Berlin; Foto: Carsten Kampf
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Pierre Boulez Saal - Carolin Widmann & Jörg Widmann, Denis Kozhukhin

Bewertung:

Carolin Widmann und Denis Kozhukhin präsentierten einen unterhaltsamen Schönberg, Widmann war wie immer ein Virtuose höchster Güte.

Schönberg kann auch ganz unterhaltsam sein. Das bewiesen Carolin Widmann und Denis Kozhukhin in der Fantasie für Violine und Klavier. Wie ein genau aufeinander eingespieltes Ehepaar, wo sie plaudernd und gestikulierend etwas erzählt und er ihr immer recht gibt, ihr Echo ist. Das alles auch noch hoch virtuos.

Hoch gespannt, witzig und ungeheuer kommunikativ

Carl Maria von Weber ist heute noch vor allem in seinem "Freischütz" präsent. Zu Lebzeiten galt er als gleich nach Beethoven bedeutendster Komponist. Sein Gran Duo concertant für Klarinette und Klavier ist zwar ein Virtuosenstück, aber nach Schönberg bemerkte man auch, wie avantgardistisch und unkonventionell dieses Stück ist. Die aberwitzigen Drehungen und Ausbrüche wurden von Jörg Widmann und Kozhukhin hoch gespannt, witzig und ungeheuer kommunikativ vermittelt. Widmann wie immer ein Virtuose höchster Güte, aber auch besonders in den stillen Tönen der traurigen Opernarie in der Mitte des Stückes berührend.

Fehlendes Raffinement

Nicht ganz so glücklich war die Klaviersonate Nr. 3 im Boulez Saal. Da muss der Pianist schon sehr aufpassen, dass bei entferntem Deckel (alle im Rund wollen ja etwas hören) der Klang nicht zu dick und knallig wird. Da fehlte etwas Raffinement und auch Kontrolle der übersprudelnden Virtuosität und des Ausdrucks.

Viel Wagemut

Alle drei Spieler vereinigten sich zu einer großen Jazz-Session, einer aufgeschriebenen hoch komplexen Dorfmusik in Bartóks "Kontraste". Man braucht viel Wagemut, um so über die rhythmischen Verrücktheiten nicht nur hinwegzukommen, sondern sie als selbstverständlich und aus dem Augenblick geboren erscheinen zu lassen. Wieder eine Unterhaltung, aber lockerer als Schönberg dann doch.

Clemens Goldberg, kulturradio

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