Osmo Vänskä; Foto: Ann Marsden

Konzerthaus Berlin - Curtis on Tour

Bewertung:

Das Curtis Symphony Orchestra versammelt die talentiertesten Nachwuchsmusiker der USA.  Gestern hat das Jugendorchester während seiner Europatournee Station in Berlin gemacht – unter der Leitung von Osmo Vänskä.

Die amerikanische Curtis Hochschule ist eine Kaderschmiede für Spitzenmusiker, auch für Orchester. So sind die jungen Leute auch außerordentlich ernst bei der Sache. Das Orchester spiegelt die Zukunft: die Hälfte Asiaten, über die Hälfte Frauen. Dass es sich unter der sehr inspirierten Leitung von Osmo Vänskä in vielen Stilen hervorragend bewährt, kann man gleich in Ravels "Daphnis und Chloë"-Suite erleben: Duftende Atmosphäre, schillernde Farben, eindrucksvolle Schilderung von Sonnenaufgang bis zum ekstatischen Tanz.

Genau und energetisch auch das Zusammenspiel bei Pendereckis Doppelkonzert. Die Solisten Benjamin Schmid und der Rektor der Hochschule, Roberto Diaz, sind recht unterschiedlich: Schmid der elegante, aber etwas glatte Virtuose auf der Geige, Diaz emotional viel beteiligter, dunkel auf der Viola singend. Spannend!

Schließlich Brahms 1. Klavierkonzert, das ja eine halbe Sinfonie ist. Hier war der Klang des Orchesters vielleicht noch nicht ganz idiomatisch, aber die musikalische Aussage bestens präpariert und herübergebracht, sehr wach zusammen mit Peter Serkin. Serkin präsentierte sich wesentlich besser als noch vor einiger Zeit, als es gesundheitliche Probleme zu geben schien. Reste eines Zitterns der Hand waren noch zu bemerken, auch manche ungefähre Töne im 1. Satz, dann jedoch ein magischer 2. Satz in Traumatmosphäre, der aber immer den Ariadne-Faden in der Hand behielt. Das Finale ausgelassen getanzt.

Clemens Goldberg, kulturradio

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