"Viel Lärm um nichts"; © Andreas Krause
Andreas Krause
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Pfefferberg Theater - Hexenberg Ensemble: "Viel Lärm um Nichts"

Bewertung:

Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturg Jan Zimmermann hat – wieder mal – ganze Arbeit geleistet, hat einfallsreich inszeniert, eingerichtet, choreografiert. Das Ergebnis: Man geht grundglücklich nach Hause.

Das Ensemble ist dafür bekannt, dass es stets sehr eigenwillige Bearbeitungen zeigt. Aber: Shakespeare ist zu erkennen, vor allem seine Intelligenz, in Witz und Tragik, im Beleuchten von Sein und Schein. Wobei die Bearbeitung – sie heißt im Untertitel "Noch mehr Lärm um wirklich gar nichts" – tatsächlich tollkühn ist. Die Story, bei Shakespeare auch von Säbelrasseln und Polit-Schelte geprägt, ist hier auf den Kern eingedampft: zwei schräge Lovestorys im Kreis schräger Typen – tatsächlich eher Typen, denn Charaktere.

Da wird auf der kleinen Bühne in der sehr wandelbaren Kulisse – sie wird geprägt von leicht verschiebbaren Stellwänden, die wie riesiges Buschwerk aussehen –, da wird gekalauert und getanzt, dass die Schwarte kracht. So schaffen es die sechs Akteure beispielsweise, einmal tatsächlich, die Illusion zu erwecken, das gesamte Ballett des Friedrichstadt-Palastes veräppele sich da grad selbst. Und, klar: Es wird viel Wortwitz und viel Slapstick geboten. Körpersprachlich werden – ein Markenzeichen des Ensembles – Höchstleistungen vollbracht.

Kluge Komik

Es gibt einigen Klamauk, aber nicht nur. Das entscheidende Stichwort: Intelligenz.

Shakespeare wird mit der Grandezza eines Oscar Wilde serviert – spitzzüngig, elegant, erotisch flirrend. Dazu passt, dass die Szenenwechsel von Tanzmusik im Stil der 1920er Jahre untermalt werden, Musik, die klingt, als käme sie aus einem riesigen Trichtergrammophon, dass die Akteure eher wie zu Wildes Zeiten gekleidet sind denn zu Shakespeares.

Die Komik erwächst aus dem Miteinander von Laute und Leise, Vorder- und Hintergründigem. Das ist klug ausbalanciert. Höhepunkt ist denn auch eine stumme Szene – um ein Liebespaar, das den eigenen Gefühlen nicht recht glauben kann, einen kleinen Blumentopf, der die reinste Unschuld ausstrahlt, und ein riesiges Denkmal, natürlich aus Pappemaché, das Wollust pur signalisiert. Es fällt kein einziges Wort, doch alle Höhen und Tiefen der Liebe, vor allem das Schöne und Schwierige daran, sich lieben zu lassen, werden spürbar. Allein schon diese grandiose Szene lohnt den Theaterbesuch.

"Viel Lärm um nichts"; © Andreas Krause
"Viel Lärm um nichts"; © Andreas Krause

Begeisterndes Ensemblespiel

Die Pointen sitzen, nahezu jede Bewegung provoziert ein Lachen. Ein Beispiel: Da wird durch eine kleine Geste, ohne Worte, in Sekundenschnelle klar, was es heißt, wenn von jemandem gesagt wird, "Er ist arm dran". Natürlich wird nicht verraten, wie, das sehe sich bitte jede und jeder selbst an.

Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler sind es. Ich nenne mit Absicht keinen Namen. Alle sind gut, das Ensemblespiel ist wirklich hervorragend. Alle haben Doppelrollen. Denn es gibt sowas wie eine Rahmenhandlung: Da tritt eine "Komödial-Polizei" zur "Kalauer-Kontrolle" an. Heißt: Achtung: Das Publikum ist aufgefordert, nicht nur passiv zu genießen, sondern sich einzumischen. Keine Angst: Niemand wird auf die Bühne gezerrt. Aber: Allein sitzen und schauen und lachen, das ist auch nicht angesegt. Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturg Jan Zimmermann hat – wieder mal – ganze Arbeit geleistet, hat einfallsreich inszeniert, eingerichtet, choreografiert.

Ein rundes Vergnügen mit kleinen Ecken

Fast. Die "Komödial-Polizei" wünschte ich mir doch ein bisschen bissiger. Und: Die Premiere war rhythmisch noch nicht ganz ausgefeilt, das Tempo hat nicht immer gestimmt, dadurch wurde mancher Gag verschossen. Das ist sicherlich der Premierennervosität zuzuschreiben und wird sich bestimmt geben.

Großartig, wie immer bei diesem Ensemble: Es wird ehrliche Kost geboten. Meint: Von Anfang an wird signalisiert: Lehnen Sie sich bitte zurück, amüsieren Sie sich, wir wollen Sie unterhalten. Dieses Versprechen wird mit viel Lust und Laune eingelöst, mit spürbarer Leidenschaft, die sich sofort aufs Publikum überträgt. Man geht grundglücklich nach Hause.

Peter Claus, kulturradio

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