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Philharmonie Berlin - Barockarien mit Joyce DiDonato

Bewertung:

Musikalisch verdiente der Abend die volle Punktzahl, die Inszenierung aber erspielt nur ein "K".

Das Programm von Joyce DiDonate war schwer mit Bedeutung aufgeladen. Um nichts weniger als den Weltfrieden ging es bei auf kostbarem Papier gedruckten Karten, auf denen das Publikum seine Meinung loswerden konnte und die in einer Box gesammelt wurden.

"In Krieg und Frieden - Harmonie durch Musik" sollte in einem weitgehend an Händel orientierten Barock-Opernprogramm beschworen werden. Der Musik allein vertraute man nicht, es wurden eine Lichtshow, Video, Regie und ein halb nackter Tänzer aufgeboten.

Der wurde mit ganz ungeplanten Verrenkungen des Dirigenten und Cembalisten Maxim Emelynychev idealtypisch ergänzt. Das hätte weder sein ausgezeichnetes Ensemble Pomo d'Oro noch das Publikum gebraucht. Das erinnerte mich an frühe Lichtorgeljahre und war letztlich peinlicher Kitsch.

Dabei kann DiDonate mühelos den großen Saal der Philharmonie mit faszinierender Stimmkunst und großer Differenzierung füllen, sogar mit zarten und zweifelnden Tönen, die wahre Kunst in diesem Saal!

Natürlich ist Verzweiflung, Intrige, Kampf und Eifersucht viel betörender als die Beschwörung des Friedens. Den fand Orazia in Purcells "Indian Queen" vorzugsweise aufs Jenseits hoffend oder man floh in Händels "Ronaldo" in die Welt der Vögel und ihres sehnsuchtsvollen Gesangs. Bei Arvo Pärts Instrumentalbearbeitung des "Da pacem" Stundengebets setzte das Orchester und der Dirigent leider auch auf Kitsch mit Lichtbegleitung.

Der größte Moment dieses Abends wurde aber mit Anna Fuseks Sopranblockflöte erreicht. Nicht nur habe ich solches Spiel noch nie so betörend gehört, Fusek bewegte sich auch ganz natürlich und anmutig – im Wettbewerb mit dem Vogelgesang DiDonatos. Fusek trug hier einen kleinen Sieg davon.

Clemens Goldberg, kulturradio

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