Deutsche Oper Berlin: Boris Godunow mit Ain Anger; © Bernd Uhlig
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Deutsche Oper Berlin - "Boris Godunow"

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Am Samstag feierte das Werk in der Inszenierung von Richard Jones seine Premiere an der Deutschen Oper. Der englische Regisseur gibt damit sein Debüt an der Bismarckstraße – überzeugend?

Nur an der Deutschen Oper wurde zuletzt noch die "Rimski-Fassung" des "Boris Godunow" gespielt (die einen "Polen-Akt" mehr hat). Sowohl an der Staatsoper (in der Inszenierung von Dmitri Tscherniakov) wie an der Komischen Oper (vor Jahren von Uwe-Eric Lauffenberg) sind wir den "Ur-Boris" gewöhnt, der in gut zwei Stunden pausenlos durchgespielt wird.

Womit wir sogleich bei der indiskreten Frage landen, wer diese Co-Produktion mit dem Covent Garden eigentlich braucht? Zur Berlin-Premiere war nicht einmal der Regisseur Richard Jones angereist. In London diente die Aufführung als Vehikel für den großen walisischen Bariton Bryn Terfel. Tja, wenn man den hätte...! So sehr beklatscht wie es auch war, blieb es eher Bismarckstraßen-Durchschnitt.

Kein Totalausfall

Freilich, man huldigt nicht der Shopping-Leidenschaft, der Jürgen Flimm ein Haus weiter gern obliegt. Die Produktion ist kein Totalausfall, selbst wenn das Volk bei der Zarenkrönung aussieht, als habe Gianni Versace "Aida" mit einer Armee von Jedi-Rittern bestückt. Scheußlich! Die Inszenierung bleibt schlicht und gedankenarm. In der Lünette über der Bühne wird fünf oder sechs Mal Boris' Mord am Zarewitsch Dmitri nachgestellt, und sieht doch aus, als sei’s Didi Hallervordens "Der gespielte Witz".

Man merkt, wie sehr die "Britpopper", deren plakativer Schule Jones zuzuordnen ist, an Witz eingebüßt haben. Das "metonymische Erzählen", bei welchem einzelne Symbole, hier ein Brummkreisel, optisch hervorgehoben und für das Ganze gehalten werden, sieht doch sehr nach "Neunzigerjahre" aus. Da hätte man die alte Götz-Friedrich-Inszenierung auch gleich wiederaufleben lassen können.

Deutsche Oper Berlin: Boris Godunow mit Ain Anger und Julius Röttger; © Bernd Uhlig
Ain Anger und Julius Röttger; © Bernd Uhlig

Stimmliche Imposanz

Titeldarsteller Ain Anger ist ein estnischer Bass, der im Ensemble der Wiener Staatsoper groß geworden ist. Freilich, in Wien würde man ihn Boris bislang nicht singen lassen. Ebenso wenig wie in Paris oder London, wo er in der Premiere dieser Aufführung die kleinere Rolle des Pimen gab. Anger, kein Zweifel, sieht im Pelzmantel ganz fabelhaft aus. Singt die Partie aber sehr in die Breite, notorisch nobel und unter Ausstellung stimmlicher Imposanz. Das wird der Schieflage und Zermürbung des strauchelnden Zaren kaum gerecht.

Das Ensemble um ihn herum besteht aus Haus-Stars (Burkhard Ulrich als Schuiskij, Ante Jerkunica als Pimen) und Stipendiaten (Alexei Botnarciuc als Waarlam und Robert Watson als falscher Dmitri). Wackere Leute.

Leichte Gangart

Die beste Figur macht wohl Kirill Karabits, sonst am Nationaltheater Weimar. Er dirigiert einen erstaunlich elastischen, klangschönen, flexiblen Mussorgsky. Mit dem Orchester der Deutschen Oper scheint er sich gut verstanden zu haben, auch wenn ich nicht verhehle, dass wegen der leichten Gangart die sieben Bilder vorbei tändeln, ohne mich irgendwie reinzuziehen.

Das Ganze wirkt wie ein Ausstattungsmöbel, das man geschenkt bekommen hat und von dem man recht nicht weiß wohin damit. Der Pferdefuß solcher Co-Produktionen zeigt sich, indem auf den Zarenbildern in Pimens Schreibstube der mittlere aussieht wie der Fernsehkomiker Olli Dittrich – und der linke wie der österreichische Kabarettist Josef Hader. Das kommt davon.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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