Donald Runnicles; Foto: Ken Friedman
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Deutsche Oper Berlin - Sinfoniekonzert unter Donald Runnicles. Mit Anja Harteros

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Ein ganzer Abend mit Richard Strauss. Für Anja Harteros gewohntes Terrain, wenngleich eher ein Arbeitserfolg. Für das Strauss-erprobte Orchester sind die sinfonischen Werke jedoch ungewohnte Kost. Was man hört.

Anja Harteros singt gerne Richard Strauss. Einige Opernpartien ohnehin, aber auch Lieder, vor allem die Vier letzten Lieder. Sie weiß, wie man damit umzugehen hat. Ihre aktuelle Auswahl sind im Original Klavierlieder, die dann aber der Komponist selbst instrumentiert hat.

Das ist eine Herausforderung, denn man benötigt die Intimität des Klavierliedes und muss sich trotzdem gegen die Orchesterfarbenpalette von Richard Strauss behaupten können. Das ist ein ziemlicher Spagat.

Großer Moment mit der "Zueignung"

Auch Anja Harteros musste sich da erst gewöhnen. Nicht nur an das Orchester, sondern auch an den Großen Saal der Deutschen Oper mit über zweitausend Plätzen. Am Beginn hatte sie zu kämpfen; da verstand man kaum den Text, und mal wurde sie vom Orchester verschluckt, mal war sie zu laut.

Dann aber fand sie zu ihrer Stärke, kombinierte eine hohe Verletzlichkeit in der Stimme mit gleichzeitiger Dichte. Beim letzten ihrer Liedauswahl, der „Zueignung“, behielt sie bei allen Orchesterwogen den Kopf oben. Sie hat das so einfach gesungen, und doch hatte man das Gefühl, dass jeder Ton bis in den hintersten Winkel des Saales gelangt. Es war eine direkte Botschaft an jeden im Publikum. Diese drei Minuten wurden zu einem großen Moment.

Don Juan

Mit seinem „Don Juan“ zeigte Richard Strauss der Öffentlichkeit endgültig, wie er mit einem großen Orchester umgehen konnte. Ein Muskelspiel des 24-jährigen Komponisten. Und auch hier gab es nur ein Thema: Ich, Richard Strauss. Eine Demonstration von Sicherheit, Können und totaler Arroganz. Mit so etwas kann ein Orchester hervorragend spielen. Das kann ein Farbenspringbrunnen sein oder auch eine Schießbude.

Lautstärke und Verwaschenheit sind jedoch die falschen Zutaten dafür. Bei Donald Runnicles wird es, ob Oper oder Sinfoniekonzert, gerne mal deutlich zu laut. Und auch hier dauerte es gerade einmal fünf Sekunden, da dröhnte es schon in den Ohren. Leidenschaft: ja, unbedingt! Aber warum so unscharf und unförmig, auch am Schluss eher harmlos und hilflos.

Also sprach Zarathustra

Dieses Stück liegt Donald Runnicles am Herzen. Für das Programmheft hat er einen kurzen Artikel geschrieben, der den bemerkenswerten und zutreffenden Hinweis enthält, dass Richard Strauss Wolfgang Amadeus Mozart als großes Ideal hatte und damit das Ideal der Transparenz. Daran hat Runnicles mit seinem Orchester wirklich gearbeitet; von der dichten Partitur des Riesenorchesters war erstaunlich viel zu hören. Manches ist dann wieder ziemlich danebengegangen – besonders Anfang und Schluss haben einigermaßen geklappert.

Das eigentliche Problem aber: Es gab meist gut gearbeitete Einzelmomente, aber eine wirkliche Dramaturgie, wie Strauss die Gegensätze von Mensch und Natur aufeinanderprallen und am Schluss eben nicht auflösen lässt, hat sich nicht vermittelt, und das hat das Werk ziemlich langatmig wirken lassen.

Bitte mehr Sinfoniekonzerte!

Man braucht sich nicht zu wundern – das Orchester der Deutschen Oper Berlin gibt einfach zu wenige Sinfoniekonzerte. Auch für ein Opernorchester ist das wichtig; das fordert die Präzision und das Selbstbewusstsein noch einmal auf eine ganz andere Weise.

Wenn man einmal in die kommende Spielzeit blickt und die Aktivitäten auf diesem Sektor der großen Berliner Opernorchester vergleicht: dann kommt die Komische Oper auf sieben, die Staatsoper mit ihrer Staatskapelle auf acht (plus Sonderkonzerte). Da liest es sich zwar beeindruckend, wenn im Programmheft der Deutschen Oper eine ganze Seite mit Konzerten voll ist, aber wenn man mal die Konzerte mit Opernausschnitten abzieht, bleiben ganze drei mit sinfonischem Repertoire. Und das ist einfach zu wenig. Ein Orchester muss spüren, wie es ist, wenn man nicht „nur“ begleitet. Und da wäre zu wünschen, dass GMD Donald Runnicles und Intendant Dietmar Schwarz etwas mehr Ehrgeiz auf diesen Sektor legen würden. Das würde der Qualität des Orchesters insgesamt zugutekommen.

Andreas Göbel, kulturradio

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