HOT Potsdam: Ein seltsames Paar mit Jon-Kaare Koppe (Felix Ungar) und Raphael Rubino (Oscar Madison); Foto: © HL Böhme
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Hans-Otto-Theater Potsdam | Gasometer am Neuen Theater - "Ein seltsames Paar"

Bewertung:

Mit einem Komödienklassiker eröffnet das Hans-Otto-Theater Potsdam die Freilichtsaison im Gasometer. "Ein seltsames Paar" von Neil Simon kam 1965 am Broadway heraus und wurde 1968 verfilmt – mit Jack Lemmon und Walter Matthau in den Hauptrollen. In Potsdam hat sich Niklas Ritter an das Erfolgsstück herangewagt.

Eigentlich ist es ein Himmelfahrtskommando: Der Film mit Jack Lemmon und Walter Matthau ist schwer zu toppen. Wie kann man die Geschichte auf die Bühne bringen, ohne sich dem Vergleich auszusetzen?

Niklas Ritter versucht es mit einem eigenwilligen Zugriff. Statt eines Kammerspiels, in dem routiniert die Pointen abgefeuert werden, präsentiert er eine Komödie, deren galoppierende Handlung durch melancholische Musikeinlagen gestoppt wird. Er versucht, Brüche zu setzen und Gefühle sichtbar zu machen, die sonst im Pointenfeuerwerk untergehen würden.

Aufgesetzte Komik

Das eigentliche Spiel hingegen ist einfach gestrickt. Es geht um Typen, nicht um ausgefeilte Charaktere. Oscar, der von Raphael Rubino gespielt wird, ist ein verkommener Lebemann, der seinen dicken Bauch über die Shorts quellen lässt und im seidenen Bademantel herumläuft.

Felix, der bei ihm einzieht, trägt am liebsten Anzug und Krawatte und hat einen Putzfimmel. Er wird in Potsdam von Jon-Kaare Koppe gespielt, der in seiner schlanken Unbeholfenheit sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit Jack Lemmon hat. Aber nur an der Oberfläche. Die Komik kommt bei Koppe nicht von innen, sondern ist aufgesetzt. Das trifft auf die gesamte Inszenierung zu.

Lachen muss man trotzdem

Vieles wirkt konstruiert oder übertrieben, aber lachen muss man trotzdem. Dafür sorgt schon  allein die Grundkonstellation. Es kommen zwei Männer zusammen, die nicht im Entferntesten zusammen passen. Oscar hat Felix nur aufgenommen, weil er annimmt, dass er selbstmordgefährdet ist – Felix wurde gerade von seiner Frau verlassen. Kaum ist er bei Oscar eingezogen, fängt er an zu kochen und zu putzen. Das findet Oscar erst ganz praktisch, aber als Felix selbst die Pokerkarten desinfiziert und die Männer am Spieltisch auffordert, Untersetzer unter ihre Biergläser zu legen, beginnt er zu zweifeln.

Und als Felix schließlich auch noch ein Date vermasselt, für das Oscar zwei Nachbarinnen eingeladen hat, wird er wütend. Er donnert einen Teller Spaghetti in den Ventilator und schmeißt Felix raus – das ist der Höhepunkt des Stücks.

Aber auch in anderen Szenen gibt es wunderbare Dialoge und viele Gags. Man kann in einen Lachrausch kommen – auch in der Potsdamer Inszenierung. Wenn die beiden Männer zum Beispiel ganz harmonisch auf dem Sofa sitzen und Felix Oscar mit "Frances" anredet, also dem Namen seiner Frau, wird klar, dass die beiden eine Art Ersatzehe führen, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Ein solider Sommertheaterabend

Zwischendurch gibt es Songs, die mal von den Männern gesungen werden, mal von zwei Damen in enganliegenden Kleidern, die in einem offenen Kasten oben über der Spielfläche stehen. Denn auch das Bühnenbild von Alissa Kolbusch setzt auf Künstlichkeit. Es deutet das Luxusloft, in dem die Geschichte spielt, nur an. Da gibt es knallig rote Wände, eine Sofaecke, einen Esstisch und in der Mitte die Tür zum Klo. Man kann Oscar, der die Tür natürlich offen lässt, von hinten beim Pinkeln zusehen, und manchmal treten auch Oscars Pokerfreunde durchs WC auf.

Gag folgt auf Gag – da tut es gut, dass die klamaukige Stimmung gelegentlich durch Songs gebrochen wird. Es entstehen Denkpausen, die allerdings einiges von ihrer Wirkung verlieren, weil der gute Regieeinfall schlecht umgesetzt wird. Die Schauspieler, werden zur Band, können aber mit ihren begrenzten musikalischen Fähigkeiten nur monotone Rhythmen spielen. Die Songtexte, die Niklas Ritter selbst geschrieben hat, sind banal. Die Chance, dem Stück durch die Musik eine zweite Bedeutungsebene zu geben, wird somit vertan.

Und trotzdem ist die Produktion sehenswert. Sie wirkt zwar etwas überkonstruiert und könnte spielerisch mehr Lockerheit vertragen, aber viele Gags zünden trotzdem – ein solider Sommertheaterabend.

Oliver Kranz, kulturradio

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