Musikfestspiele Potsdam Sanssouci: Los Elementos mit Carolina Pozuelo Montero (v.), Adrián Schvarzstein, Hugo Oliveira; © Stefan Gloede
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Musikfestspiele Potsdam Sanssouci - "Los Elementos"

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Erde, Feuer, Wasser, Luft: In der Barockoper von Antonio de Literes (1673-1747) kommen die Elemente in Gestalt von vier spanischen Schönen daher – eine Huldigung der weiblichen Stimme!

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci: Los Elementos mit María Hinojosa (o.), Carolina Pozuelo Montero, Adrián Schvarzstein, Hugo Oliveira; © Stefan Gloede
María Hinojosa (o.), Carolina Pozuelo Montero, Adrián Schvarzstein, Hugo Oliveira; © Stefan Gloede

Die kleine Allegorie "Los Elementos" – kein Meisterwerk, aber ein reizvoll ungewohntes Beispiel des epochenverschleppenden Hochbarock in Spanien – dauert nur gut eine Stunde. Wird aber durch zahlreiche Fandangos, Jotas, Jacaras, Marizapalos und andere Tänze (meist von Santiago de Murcia) auf fast das Doppelte aufgepeppt. Das Idiom klingt poröser, anders auch als auf der existierenden, viel konventionelleren Gesamtaufnahme. Das Ergebnis: so ephemer wie reizvoll.

Mythologische Inhalte

Antonio de Literes (1673-1747), spanischer Hofkomponist, ist bekannt weniger wegen seiner zwei Opern (von denen "Los Elementos" wohl die bedeutendere ist), sondern aufgrund etlicher Zarzuelas; jener spanischen Operettengattung, für die er ein früher Kronzeuge ist. Und die er mit mythologischen, nicht bürgerlichen Inhalten versah.

Sein Opern-Wettstreit zwischen den vier Elementen dagegen – die Luft bewindet, das Wasser begießt, die Erde befruchtet und das Feuer heizt – war vermutlich als politischer Reflex zum gerade tobenden Erbfolgekrieg in Spanien gedacht.

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci: Los Elementos mit Marina Pardo (v.), Hugo Oliveira, Adrián Schvarzstein, Carolina Pozuelo Montero; © Stefan Gloede
Marina Pardo (v.), Hugo Oliveira, Adrián Schvarzstein, Carolina Pozuelo Montero; © Stefan Gloede

Regisseur Adrián Schvarzstein, dessen Produktion vor einigen Jahren in Madrid herauskam, verlegt die "Handlung" in eine ranzige Tapasbar der Fünfzigerjahre. Mit Stierkampf-Poster hinterm Tresen und Plastikmadonna überm Schnappsregal. Ganz ähnlich, wie das Jürgen Flimm früher mal mit Händels "Trionfo del tempo e del disinganno" angestellt hat. Kann nie schief gehen, trifft aber, mit viel Kostüm-Fransen, Rüschen und Rosetten, den Unterhaltungscharakter des Werkes besser als manch prätentiöse Barock-Inszenierung.

Es müssen spanische Fachkräfte wie Marta Valero und Maria Hinojosa ran! Wegen des Zungenschlags. Und weil Literes die Tatsache, dass alle Barockmusik tänzerisch ist, noch buchstäblicher fasst als Bach und Händel. Sein Werk scheint auf Fußspitzen komponiert und auf Hüftschwung berechnet. Wofür kein Flamencokurs an der Volkshochschule Wilmersdorf, fürchte ich, ausreichen kann.

Die Barockharfe des Ensembles "Le Tendre Amour" klingt kerniger, das Schlagwerk knobelbecheriger. So sehr das Idiom harmonisch noch Monteverdi und seinen Schüler nachzuhängen scheint, so viel mürber und kruder wird hier instrumentiert. So genießt man eine barockexotische Ausgrabung, wie sie in unseren Breiten neuerlich nur bei den Musikfestspielen Potsdam-Sanssouci angeboten wird.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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