Mojca Erdmann; Foto: © Felix Broede

Konzerthaus Berlin - Mojca Erdmann und das delian::quartett

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Ein äußerst reichhaltiges Programm verband die Sopranstimme Mojca Erdmanns mit Streichquartett. Dabei fanden sich zwei Werke wieder, die schon vor zwei Wochen im Boulez Saal zu Gehör kamen.

In der Französischen Straße allerdings vor vollem Haus – und hier unverdient vor ca. 150 Hörerinnen und Hörern.

Schönbergs zweites Streichquartett und Aribert Reimanns Verarbeitung von Schuberts Mignon Liedern bieten eine dramatische Liebesszene. Bei Schönberg ist es der Liebhaber der Gattin, der sich erschießt, bei Reimann/Schubert die Sehnsucht, die nur im Tod gestillt wird. Dabei bot das delian::quartett eine psychologisierende, feinfühlige, feinnervige Interpretation, die manchmal spröde und nicht immer ganz intonationssicher war.

Mojca Erdmann dagegen kam sehr theatralisch, eher opernhaft daher. Man hatte manchmal das Gefühl, dass die Sängerin eher Gefühle darstellte als durchlebte. Vor zwei Wochen war es bei Chrstiane Karg und dem Quartett der Staatskapelle genau umgekehrt. Reizvoll der Gedanke, diese Interpreten auszutauschen!

Eine echte Entdeckung waren die Kompositionen von Stefano Pierini (Jahrgang 1971). Seine Anverwandlungen von Monteverdi (Madrigale) und Wagner (zwei Wesendonck-Lieder) waren faszinierend, sehr feinfühlig, genau richtig für das delian::quartett.  Aus der Opernmonodie der Arianna wurde bei Pierini ein moderner Totentanz. Hier war auch Mojca Erdmann als Spezialistin für zeitgenössische Musik ganz in ihrem Element. Auch interessant, dass die Wagner-"Transfiguration" ohne Stimme auskam, man sie aber immer suggeriert bekam.

Schließlich noch unerwartet: das erste Quartett aus Haydns avantgardistischem Streichquartett-Set op. 33. Plötzlich gewahrte man Haydn als zeitgenössischen Musiker. Eine wirklich geniale Programmzusammenstellung, die leider nur privilegierten Ohren vorbehalten blieb.

Clemens Goldberg, kulturradio

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