Radu Lupu; © Matthias Creutziger
Matthias Creutziger
Bild: Matthias Creutziger

Pierre Boulez Saal - Radu Lupu, Klavier

Bewertung:

Radu Lupu nimmt den ganzen Stuhl mit Lehne ein, wenn er scheinbar völlig ohne innere Regung sein Programm spielt. Dass er die Musik mitlebt, kann man seinem leider falschen Gesang entnehmen. Die distanzierte Haltung äußerst sich aber auch in einem völlig fehlenden Impetus, Energie in die Musik zu geben und zum Hörer zu transportieren.

In Haydns ambitionierten f-Moll Variationen gibt es regelrechte Explosionen und sehr unerwartete Wendungen, die Lupu so präsentiert, als sei das alles ganz Normales. Wenn es fein, melancholisch oder still vergnügt zugeht, dann weiß sein Spiel auch zu berühren, aber das ist eben nur die halbe Miete.

Unzulänglich bei Schumann

Ganz unzulänglich wird diese Art der Interpretation in Schumanns großem Seelendrama, der C-Dur Fantasie. Wenn es laut und mächtig wird, sind ganz unüblich bei Lupu auch sehr viele falsche und verwischte Töne dabei. Vieles ist nicht wirklich artikuliert. Aber vor allem gibt es überhaupt keine Dramaturgie.

Ganz bei sich und rührend bei Tschaikowski sind die Miniaturen über die Monate des Jahres, von den Schneeglöckchen über die Ernte zur Weihnachtsszene. Lupu fühlt sich wohl, sein im Feinen sehr differenziertes Spiel kommt hier gut zur Geltung. Es bleibt aber auch hier eine Leerstelle: Man könnte spüren, dass Tschaikwowskis Angst vor der Außenwelt sich zwar mir der Lupus kongenial trifft, dass es aber eben eine Angst ist.

Clemens Goldberg, kulturradio

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