Christiane Karg; Foto: Gregor Baron

Pierre Boulez Saal - Streichquartett der Staatskapelle Berlin und Christiane Karg

Bewertung:

Aribert Reimann, Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven

Das Streichquartett der Staatskapelle spielt zwar regelmäßig zusammen, aber mit einem spezialisierten Streichquartett ist es nicht vergleichbar. Das macht gerade einen besonderen Reiz aus, spürt man doch noch viele Abläufe, die sonst bei den spezialisierten Ensembles nicht so zutage treten. Höchst feinnervig dann auch das Zusammenspiel mit Christiane Karg in Aribert Reimanns Schubert-Raum, eine geradezu zirkuläre Anordnung von Schubert-Liedern rund um Sehnsucht und Tod.

Etwas handfester der Hintergrund in Schönbergs 2. Streichquartett, ebenfalls um den Sopran erweitert. Schönbergs Gattin wollte ihn für ihren Kunstlehrer verlassen, kam dann doch zurück, der Geliebte beging Selbstmord. Diese Erfahrung überhöhte Schönberg durch die Wahl von Gedichten von Stefan George, die sogar in der "Musik vom anderen Planeten" münden. Alles sehr exaltiert und typisch für den übersteigerten Ausdruckswillen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Christiane Karg, dieses Mal mir im Rund des Boulez-Saales zugewandt und daher viel präsenter als bei Reimann, durchlebte diese Wandlung von Liebesschmerz zu Transzendenz betörend, vielschichtig und wahrhaftig. Kongenial auch im Zusammenspiel mit dem Quartett, das offenkundig die Gesten genau ergründet hatte.

Ganz anders dann der wirklich fast vollkommen fröhliche Beethoven des Septetts op. 20. Drei Streicher und Kontrabass und Bläser wetteiferten um die virtuoseste Darbietung des thematischen Materials. Beethoven hasste das Stück, weil es vergleichsweise traditionell war und deshalb so beliebt. Das Publikum findet es immer noch genau die richtige Musik für den Sommer.

Clemens Goldberg, kulturradio

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