"Der Hauptmann von Köpenick - das Musical"
Heiko Stang
Bild: Heiko Stang Download (mp3, 4 MB)

Admiralspalast - Der Hauptmann von Köpenick - Das Musical

Bewertung:

Man kann sich schwerlich etwas Gichtbeinigeres vorstellen kann als unseren guten, alten Wilhelm Voigt, der anno 1905 unter Vortäuschung von Uniformgewalt eine Bezirks-Stadtkasse in seine Gewalt brachte. Dennoch zählte das Musical "Der Hauptmann von Köpenick" im Rathaushof vor Ort seit 2015 angebliche 18.000 Zuschauer. Anders gesagt: Berlin war fällig.

Heiko Stang, der sein Musical-Darstellerleben einst als "Jesus Christ Superstar" begann, ist als Regisseur, Bühnenbildner, Texteinrichter und Komponist universal gefragt. Und klaut schamfrei bei Kurt Weill, Paul Lincke und Stephen Sondheim. Eine Taschenpfändung, seines Titelhelden wohl würdig. Abdriftend ins amerikanisch Jazzige, wird das Ganze aufgepolstert mit Plörösenmiezen, Gefängnispolonaisen und Harzer Rollern, die die Beine schmeißen. Es wird einem schwindelig vor lauter wippenden Pickelhauben, Bartbinden und doppeltem Allasch. Wir landen auf einer Klischeehalde aus Berliner und nicht Berliner Ausschuss. Wir landen nicht weich.

"Der Hauptmann von Köpenick - das Musical"
Der Hauptmann von Köpenick © Heiko Stang

180 Minuten bei der Premiere

Maximilian Nowka in der Titelrolle zückt durchaus nicht die Heinz Rühmann-Karte, macht auch keinen auf Harald Juhnke, sondern knüpft trickreich an den ältesten Zuckmayer-Darsteller an, den die Aufführungsgeschichte nur hergibt: an Max Adalbert, welcher (auch in der großartigen Verfilmung von 1931) der klapprigste und komischste von allen war. Für den Rest der Besetzug ist Sportstunde angesagt. Wohl 50 Rollen in 150 Minuten (bei der Premiere waren es 180). Zu viele Rollen nicht, aber zu viele Minuten.

Hat keene Luft

Es zieht sich, langweilt und hat keene Luft. Ich glaube schon, dass der Abend am Originalschauplatz einen achtbaren Eindruck machte. Im Admiralspalast wirkt’s provinziell – und mutiert zur Touristenfalle. Sage ich: "Mampe Halb & Halb", so ist das Kompliment zu hoch gegriffen. Der Abend ist da am Besten, wo er dem (guten) Stück von Zuckmayer getreu folgt, ohne dass gesungen wird. Was könnte man Schlimmeres über ein Musical sagen?!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Weitere Rezensionen

La Bettleropera, © Matthias Heyde
Neuköllnische Oper, © Matthias Heyde

Neuköllner Oper - La BETTLEROPERa

Sicherlich stellt die Verballhornung von John Gays "Bettleroper" zu "La BETTLEROPERa" (O Graus!) den Versuch dar, der Händel-Travestie einen italienischen Drill und Dreh zu geben.
Zugleich haben wir es mit einer Jubiläumsproduktion zu "40 Jahre Neuköllner Oper" zu tun. Mitbegründer Winfried Radeke hatte schon 1986 eine eigene Version der "Beggar’s Opera" vorgestellt.

Bewertung:
Szenenfoto: Sunset Boulevard - Staatstheater Cottbus
Marlies Kross

Musical nach dem Film von Billy Wilder - Staatstheater Cottbus: "Sunset Boulevard"

Das Staatstheater Cottbus hat sich in den letzten Jahren eine
Musicaltradition aufgebaut. Die Spielzeit wurde mit  "Sugar" ("Manche
mögen's heiß") eröffnet, jetzt wird nachgelegt. Martin Seiffert, der
auch schon bei "Sugar" Regie führte, hat Andrew Lloyd Webbers "Sunset
Boulevard" inszeniert. Und wieder gab es stehende Ovationen…

Bewertung:
Pelléas et Mélisande, © Monika Rittershaus
Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin - "Pelléas et Mélisande"

Um das Positive vorwegzuschicken: Barrie Kosky hat sein Haus lässig genug im Griff, um ein recht langes, nein: ein recht sehr langes Stücke in einen anscheinenden Premieren-Erfolg zu verwandeln.

Bewertung: