Christof Spörk
Wolfgang Hummer
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Wühlmäuse - Christof Spörk: "Am Ende des Tages"

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Österreichischer Humor ist oft böse, sarkastisch, wortwitzig und intelligent. Kein Wunder also, dass das Land so viele herausragende Kabarettisten hervorbringt: Josef Hader zum Beispiel, Alfred Dorfer oder Werner Schneyder. In den Wühlmäusen präsentierte nun der österreichische Musik-Kabarettist Christof Spörk sein neues Programm – zum ersten Mal vor deutschem Publikum.

In seiner Heimat ist er bekannt, hat den Österreichischen Kabarettpreis und den renommierten Salzburger Stier gewonnen – in Deutschland aber ist sein Name bisher wenigen ein Begriff. Ein Mann aus der Steiermark trifft auf Berliner Schnauze – obwohl man sein breites Österreichisch meistens verstehen konnte, hatte es Spörk in der deutschen Hauptstadt nicht leicht. Dass man ihn hierzulande kaum kennt, konnte man schon an den vielen freien Plätzen ablesen: Nur etwa die Hälfte des Saales war gefüllt. Ein Kabarettist schlägt natürlich selbst daraus noch eine Pointe: Es könne noch was mit ihm und Berlin werden, sofern nächstes Mal jeder seine Großfamilie mitbringe...

Ein sympathischer Entertainer

Doch auch inhaltlich brauchte Spörk eine längere Anwärmphase. Zunächst nahm er die politischen Verhältnisse in Österreich aufs Korn – die verpfuschte Bundespräsidentenwahl, die FPÖ, die Österreicher als die eigentlichen Erfinder des Rechtspopulismus. Nicht, dass man das in Berlin nicht verstehen oder nachvollziehen könnte – aber die Pointen zünden hier nicht so, wie sie sollten. Alles ist ein kleines bisschen zu weit weg für die Menschen im Publikum.

Dabei hat Spörk, wie er sagte, das Programm stark angepasst, gerade weil so viele seiner Witze nicht über die deutsche Grenze kommen. Trotz dieser Schwierigkeiten erwies sich Spörk dann aber als professioneller und sympathischer Entertainer, der aus den Pointen, über die keiner lacht, eine neue Pointe macht – oder sie einfach noch mal erzählt, ständig im Gespräch mit den amüsierten Zuschauern. Im zweiten Teil, als es thematisch allgemein menschlicher zuging, wurde die Stimmung denn auch gelöster, herzlicher.

Überzeugter Europäer

"Am Ende des Tages" heißt Spörks aktuelles Programm. In der Ankündigung dazu schreibt er: "Leute, vergesst doch bitte die paar Probleme, die wir gerade haben". Das meint Spörk sogar ernst: Er präsentiert sich als überzeugter Europäer, der auf Zusammenhalt und Schulterschluss setzt, und zeigt, womit man sich heutzutage auseinanderzusetzen hat, wo es zu protestieren gilt. Dabei beschäftigt er sich mit realpolitischen Punkten, bewegt sich aber auch auf einer sozial- und gesellschaftspolitischen oder sogar einer wirtschaftspolitischen Ebene.

Den "Bibap-Babap-Song" hat er angeblich für seine dreijährige Tochter geschrieben, um ihr das Bruttoinlandsprodukt nahezubringen. Darin erklärt er, wie gut es der Ökonomie und der Pharma-Industrie tut, wenn man sein Auto zu Schrott fährt und im Krankenhaus landet. Ein anderer Song ist den jungen Männern am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn gewidmet, denen er (ironisch natürlich!) empfiehlt, ein Star mit einem eigenen Start-Up zu werden – damit konnte man in Berlin dann durchaus etwas anfangen.

Mehrere Instrumente gleichzeitig

Mit "Am Ende des Tages" will Spörk aber auch einen normalen Tag in seinem eigenen Leben abbilden. Dazu zählt der Alltag als Ehemann einer Kubanerin und als Vater von vier Kindern – so streift er das Bildungssystem, Erziehungsmethoden und die Migrationsgesellschaft.

Die Musik spielt dabei eine zentrale Rolle. Spörk war lange Zeit Bühnenmusiker, bevor er 2011 Solo-Kabarettist wurde. Zwar ist er auch promovierter Politologe, aber zuvorderst ist er ein guter Musiker. Er spielt Ziehharmonika, Klarinette und Klavier, manchmal auch zwei Instrumente gleichzeitig, und verbindet dabei unterschiedlichste Genres zu einem ganz eigenen Stil-Mix: Österreichische Melodien gehen da in mexikanische Volkslieder über, lateinamerikanische Einflüsse sind zu hören, am Klavier spielt er melancholischen Jazz. Innerhalb von einer Sekunde kann er den Takt, den Rhythmus, das ganze Genre ändern – geht das noch dazu mit einem Stimmungswechsel im Text einher, ist Spörks Programm mitreißend.

So ganz kann Christof Spörk mit den österreichischen Kabarett-Größen allerdings nicht mithalten. Er ist zwar ein intelligenter, meinungsstarker und politischer Kopf – doch seine Pointen sind dann doch ein bisschen zu erwartbar. Sprachlich fehlt ihnen die Brillanz, die Konkretion. Nichtsdestotrotz hat Spörk in den Wühlmäusen ein intelligent unterhaltendes Programm präsentiert, das vor allem dann aufgeht, wenn der Österreicher eines seiner Musikinstrumente in die Finger bekommt.

Barbara Behrendt, kulturradio

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