Konzerthangar (c) Bebersee Festval
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Bebersee Festival - Auftakt des Bebersee Festivals 2017

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Kammermusik im Hangar - das ist das Markenzeichen eines der spannendsten Klassikfestivals in Brandenburg. Seit 15 Jahren bereits lädt Markus Groh, Pianist und Professor an der Berliner UdK, Musikerkollegen ein, das breite Spektrum der kleinen Besetzung auszuloten.

Eigentlich müsste das Festival tatsächlich "Groß Dölln Festival" heißen, denn man hat vor fünfzehn Jahren in einer Scheune in einem Dorf namens Bebersee begonnen, ganz in der Nähe. Dann hat Markus Groh aber diese ehemaligen Kampfflugzeuggaragen entdeckt und war sowohl von der besonderen Atmosphäre als auch von der Akustik begeistert.

Und diese besondere Akustik konnte man am Samstagabend wieder eindrücklich erleben. Diese Hangars aus Beton haben ein Tonnengewölbe. Und darüber befindet sich Erdreich, Gras und Büsche, man sollte ja aus der Luft nicht erkennen, dass da Kampfflugzeuge stationiert waren. Und das dämpft so stark, dass man fast eine Studioatmosphäre hat - der Klang kommt sehr direkt rüber, klar, transparent, man meint, auch in den hinteren Reihen zwischen den Musikern zu sitzen, das ist absolut frappierend.

Klavier pur

Im ersten Teil des Auftaktkonzerts am Samstag gab es "Klavier pur" mit dem Festivalchef Markus Groh und der jungen koreanischen Pianistin Yoonji Kim, einer seiner ehemalige Studentinnen. Beide spielten zunächst je ein Frühwerk von Ludwig van Beethoven.

Markus Groh die 8 Variationen über ein Thema von Franz Xaver Süssmayr - gewohnt souverän, aber mit viel Stilgefühl. Und Yoonji Kim dann die 24 Variationen über das Thema "Venni Amore" von Vincenzo Righini. Dieses Werk hat Beethoven noch in Bonn komponiert mit Anfang zwanzig, man spürt aber bereits die enorme Virtuosität und den Personalstil, die sich dann in den späten Klaviersonaten zeigen.

Die junge Koreanerin hat das sehr gut herausgearbeitet. Diese beiden recht unbekannten Werke des späteren Titanen am Anfang standen war dramaturgisch geschickt, denn das Thema des Bebersee Festivals in diesem Jahr lautet "Veränderung, Aufbruch, Revolution".  Und Yoonji Kim zeigte dann mit Beethovens Sonate Nr. 28 in A-Dur den Gipfel dieser Entwicklung bei Beethoven, in einem seiner auch technisch anspruchsvollsten Werke. Die Kunst ist es dabei, über die Klippen hinaus den roten Faden hörbar zu machen. Und Yoonji Kim hat das geschafft, sie hat vom ersten bis zum letzten Ton die Spannung gehalten

Markus Groh, Pianist und Leiter des Musikfestivals Bebersee, im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf
Markus Groh © Carsten Kampf

Licht und Schatten

Im zweiten Teil, Claus Fischer, war dann im Flughangar mit Franziska Hölscher eine der interessantesten deutschen Geigerinnen der jüngeren Generation zu erleben, Franziska Hölscher. Aus unerfindlichen Gründen gab es nicht - wie im Vorfeld angekündigt – Beethoven "Kreutzersonate", sondern die zweite Sonate für Violine und Klavier von Robert Schumann - sowohl für den Geiger als auch für den Pianisten eine enorme Herausforderung.

Da gibt es - typisch für  Schumann - abrupte Stimmungsschwankungen, sehr eruptive Passagen, dann auch für Schumanns Zeit revolutionäre Klänge, da wird die Geige auch mal gezupft über einige Takte. Aber - leider muss ich sagen - ist nur Markus Groh am Klavier dem Werk gerecht geworden, Franziska Hölscher hat nicht ganz überzeugt. Sie wirkte sehr angestrengt, agierte nicht souverän. Es klang an einigen Stellen recht schwerfällig, es fehlte einfach die Selbstverständlichkeit. Der Klang war entsprechend unflexibel, die Violine klang stellenweise eher wie eine Bratsche.

Licht und Schatten also beim Auftaktkonzert des Bebersee Festivals, die koreanische Pianistin Yoonji Kim als Entdeckung und eine nicht ganz souveräne Franziska Hölscher, die hoffentlich nur einen schlechten Tag gehabt hatte …

Claus Fischer, kulturradio

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