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Antwerpen - Festival Laus Polyphonie

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Das Festival Laus Polyphonie (Lob der Polyphonie) ist in vieler Hinsicht einmalig. Es konzentriert sich auf das wunderbare, aber weitgehend immer noch unbekannte Repertoire der Musik vor 1600 und tut dies in thematisch konzentrierter Form.

 Hier geben viele Ensembles mehrere Konzerte und können sich jenseits der Gemischtwarenladen-Festivals auf das gegebene Thema konzentrieren. Die Konzerte finden zudem in herrlichen Kirchen statt, deren Äußeres meist aus der Gotik oder Frührenaissance stammt, das innere prächtig und reich meist um das Jahr 1600

Komplexe Polyphonie

Dieses Jahr war das Thema "Anbetung". Das klingt nach Religion, die Grenzen sind aber fließend. Frappierend wie das das alles beherrschende Bild der Jungfräulichkeit und Reinheit (meist der Jungfrau Maria) auch das weltliche Repertoire bestimmt, aber der Bogen zur Gegenwart ist durchaus auch klar: wir kritisieren genau dieses Frauenbild ja heute am Islam! Beispielhaft für die religiöse Sphäre ein Konzert in der neu renovierten St. Jakobskriche, innen das Grab von Rubens und ein Bild von ihm, dazu Prozessionsfiguren und Fahnen, die sofort die Atmosphäre der Zeit um 1550-1650 hervorrufen. Nachgestellt wurde ein Vespergottesdienst, alle Sänger der Capelle Pratensis sangen von einem Pult aus originaler Notation, dazu kamen noch ganz himmlische Chorknaben, die ihre Sache wunderbar machten. Durch dieses konzentrierte Singen um ein Pult herum entstand eine ganz neue Konzentration und Intensität, wie sie das berühmte Ensemble Huelgas in einem weiteren Konzert nur selten erreichte. Plötzlich konnte man die komplexe Polyphonie ganz anders verfolgen, ein wirklicher Durchbruch in der Aufführungspraxis.

Hohe Qualität

In diese Richtung ging auch das Ensemble Leones, das Liebeslieder aus dem herzförmigen Liederbuch Cordiforme (15. Jh.) sang. Hier wurde eine große Farbigkeit und Intensität mit wechselnder Besetzung, mal eine Stimme, mal drei, mal nur instrumental, erreicht. Auch wurde endlich einmal ornamental in den Stimmen verziert, hier kann noch viel weiter gegangen werden. Der Gesang war wunderschön, nur zu sehr von der Melodik und zu wenig vom Text ausgehend - aber das machen eigentlich alle Ensembles dieser Art. Eine weitere Aufgabe für die Zukunft.

Alle Konzerte (oft drei am Tag) waren bestens besucht und zeigten, dass 24 Jahre Aufbauarbeit, konzentriert auf Inhalte und hohe Qualität, sich auszahlen. Ein Gegenbeispiel für viel äußerliches Geklingel und Charaden an anderen Orten…

Clemens Goldberg, kulturradio

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