Orgel in der Friedenskirche Sanssouci, © imago/epd
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Friedenskirche Sanssouci - Matthias Havinga spielte "Dutch Delight"

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Havinga besticht mit differenziertem Anschlag, brillanter Technik und Sinn für schöne Registrierungen.

Der Firma Woehl aus Marburg ist mit der Orgel in der Friedenskirche gleichsam die Eier legende Wollmichsau gelungen: eine wunderschöne Orgel, welche noch 18 Register der ursprünglichen Heise Orgel von 1847 integriert und jetzt von Frescobaldi bis zur Spätromantik eine ungemein klare, farbige, perfekt im Raum klingende Orgel zur Verfügung stellt.

Emotion und Musikalität

Dies wusste Matthias Havinga aus Amsterdam bestens zu nutzen. Nicht nur hat er einen unglaublich differenzierten Anschlag, eine brillante Technik und einen Sinn für schöne Registrierungen. Er ist einer von vielleicht zehn Organisten, die Emotion und Musikalität trotz der technischen Barrieren der Orgel unmittelbar dem Hörer erfahrbar macht.

Über Orgelmusik zum Herzen der Gläubigen

Im ersten Teil wurden vor allem Psalmen und Choräle von holländischen Komponisten dargeboten. Eine Gelegenheit, alle Farben der Orgel zu präsentieren. Besonders gelungen dabei die Versus über Psalm 36 von Jan Pieterszoon Sweelinck, dem Uramtsvorgänger Havingas an der Oude Kerk in Amsterdam.
Ein wahres Feuerwerk an Spieltechnik, Bravour und doch auch Innigkeit wusste Havinga bei Mendelssohns Werken in der 2. Hälfte zu entzünden. Viel zu selten hört man die wunderschönen Orgelsonaten Mendelssohns, hier die 6. Sonate als Choralvariationen über „Vater unser im Himmelreich.“ Sehr gelungen auch die Orgelversionen des Scherzos aus dem „Sommernachtstraum“ und die Ouvertüre des Oratoriums „Paulus“. Die Calvinisten in Holland, welche die Orgel als unsittliches Instrument aus der Kirche verbannten, hätten sich kaum träumen lassen, dass diese Musik am ehesten zu den Herzen der Gläubigen vordringt, mehr als manche feurige Predigt.

Clemens Goldberg, kulturradio

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