Young Euro Classic – Ouvertüre: Young Euro Classic Ensemble China – Deutschland; © MUTESOUVENIR | KAI BIENERT
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Konzerthaus Berlin - Young Euro Classic – Ouvertüre: Young Euro Classic Ensemble China – Deutschland

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Als Pre Opening und anlässlich 45 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen China und Deutschland spielten Studierende beider Länder in einem extra dafür neu zusammengestellten Ensemble – ein Konzert, das immerhin musikalisch überzeugte.

Studierende aus Berlin – von der Hochschule für Musik Hanns Eisler, vom Julius-Stern-Institut und vom Landesjugendorchester, dazu Studierende vom Zentralkonservatorium Peking, teilweise auf traditionellen chinesischen Instrumenten. Das ergibt ein Kammerorchester der ungewöhnlichen Art.

Auf die vertrauten Streicher, Holz- und Blechbläser plus Klavier treffen also die Laute Pipa, die Bambusflöte Dizi, die Erhu, ein Streichinstrument mit nur zwei Saiten, und die Guzheng, eine Art Zither. Und zusammen haben sie Mozart und Bach gespielt.

Es funktioniert

Weil es naturgemäß für diese Besetzung keine Stücke gibt, gab es einen Auftrag an zwei chinesische Komponisten, zwei Sätze aus Mozarts "Kleiner Nachtmusik" sowie sechs Inventionen von Bach genau für dieses Ensemble einzurichten. Das funktionierte erstaunlich gut: Bei Mozart gab es oft ein Hin und Her, die Instrumente haben sich sehr schnell abgewechselt, man hatte den direkten Vergleich der Instrumente beider Kulturen. Ein bisschen klang es nach Musikautomat, wie bei einer riesigen Spieluhr, etwas mechanisch, manchmal fast wie am Computer zusammengemischt.

Akustisch erhellend waren oft winzige Details. Wenn in einer Bach-Invention das Klavier anfing und die Erhu nahtlos übernahm, folgte auf eine messerscharfe klare Intonation ein Instrument, das mit ganz anderen Schwebungen arbeitet. So hat man vertraute Musik neu gehört – und eine erstaunliche Form des funktionierenden Zusammenspiels.

Viel Wort, wenig gesagt

Über das musikalische Leben in China hat man leider nur wenig erfahren. Dieter Rexroth, Künstlerischer Leiter von Young Euro Classic, hat den Abend moderiert, allerdings sehr langatmig und weitschweifig, dazu gab es umständliche Interviews – durch seine ungeschickten Fragen hat Rexroth zwei der jungen Musiker regelrecht vorgeführt – sie wussten kaum etwas darauf zu antworten.

Man erfuhr, dass es in China 80 professionelle Orchester gibt, dass die Musikausbildung dort sowohl traditionelle als auch europäische Instrumente umfasst. Offensichtlich tut sich in der Musikszene des Landes im Moment besonders viel. Das war es dann aber auch an relevanten Informationen. Hier sind viele Möglichkeiten verschenkt worden. Gerne hätte man mehr erfahren, auch über das Leben dort, vielleicht sogar über politische Aspekte, aber das ist gar nicht erst versucht worden in Erfahrung zu bringen.

Die Sogwirkung chinesischer Musik

Drei Stücke aus der traditionellen chinesischen Musik waren mitgebracht worden. Vom Klangeindruck selbst ist das gar nicht so ungewohnt. Wenigstens klischeehaft haben auch hierzulande die meisten sicher ein akustisches Bild chinesischer Musik im Kopf. Im Detail wurde dann aber doch deutlich, wie anders diese Musik aufgebaut ist. Wenn Flöte, Laute und Zither zusammenspielen, würde man aus europäischer musikalischer Sicht erwarten, dass die Flöte das Soloinstrument ist und die anderen dezent begleiten. Hier war es genau umgekehrt: Laute und Zither dominierten, während die Flöte sehr leise nur ein bisschen Klangfarbe dazugab.

Die Sogwirkung dieser Musik ist erstaunlich. Daneben wurde auch noch ein Stück für Trompete und Klavier eines chinesischen Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts gespielt, hervorragend umgesetzt vom jungen Trompeter, sehr virtuos und brillant. Nur war das Stück selbst recht oberflächlich; man hatte sich schnell sattgehört. Bei der Folklore hingegen war man bis zum letzten Moment mitgerissen. Hier war das Publikum richtig begeistert.

Erstaunliches Niveau

Das alles ist nicht selbstverständlich. Man staunt, wie die meisten Stücke in fünf Tagen einstudiert worden waren. Die meisten Kammermusikensembles waren auch durchmischt aus Musikerinnen und Musikern beider Länder. Da gab es für die kurze Probenzeit erstaunliche Leistungen.

So im Rondo aus Mozarts g-Moll-Klavierquartett. Das ist ein Werk, das vor allem musikalisch zu den anspruchsvollsten Kammermusikwerken überhaupt zu zählen ist. Und da war es faszinierend mitzuerleben, wie die vier jungen Musiker zunächst um das Zusammenspiel und um eine saubere technische Ausführung bemüht waren. Dann aber gab es Stellen, in denen die Arbeit vergessen zu sein schien. Plötzlich gab es im Klavier einen weicheren Anschlag, die Geige fing an zu singen. Da war es dann wirklich Musik im eigentlichen Sinne, mit Aussage, Ausdruck und Seele. Musikalisch war das ein wirklich beeindruckender Abend.

Andreas Göbel, kulturradio

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