"Und Gott sprach: Wir müssen reden!", Zugfahrt mit Gott. (li: Stephan Szász, re: Jochen Horst); © Barbara Braun
Barbara Braun
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Komödie am Ku'damm - Lars Georg Vogel: "Und Gott sprach: Wir müssen reden!"

Bewertung:

Diese Romanadaption ist eher etwas für Theater-Fans, die Humor der leiseren Art mögen, Humor, der neben allem Vergnügen auch ein wenig Nachdenken auslöst.

Fans warten seit Jahren auf die Verfilmung des Bestsellers "Und Gott sprach: Wir müssen reden!" von Hans Rath. Der Film soll kommen. Wann, ist noch ungewiss. Gewiss ist: Die Uraufführung einer Bühnenfassung ist jetzt in der Komödie am Kurfürstendamm zu sehen.

Essenz des Romans

Es ist ein Abend leisen Schmunzelns. Der Roman um die Begegnung eines Psychotherapeuten mit einem Mann, der behauptet, Gott zu sein, ist nicht gerade dünn. Viele Momentaufnahmen und Dialoge reflektieren hintergründig den Sinn des Lebens beziehungsweise die Suche danach.

In der Theaterfassung von Lars Georg Vogel ist die Essenz des Romans zu erleben. Da gibt es zahlreiche aus der Buchvorlage bekannte Stationen und Episoden – der Clinch des Psychotherapeuten mit seiner Exfrau etwa und seine in beruflicher Hinsicht unerquickliche Lage –, doch wesentlicher sind die Gespräche mit dem Clown Abel, der behauptet, Gott zu sein. Langsam zweifelt der Psychotherapeut Jakob, ob seine Diagnose einer Krankheit richtig ist. Und auch das Publikum fragt sich: Sagt Abel etwa die Wahrheit?

Lächeln ist angesagt

Die Aufführung provoziert selten ein lautes Lachen. Eher ist Lächeln angesagt. Gut so. Humor ist ja immer dann besonders wirkungsvoll, wenn er aus Ernstem erwächst, sich mit Ernsthaftem auseinandersetzt. Und die Frage nach dem Sinn des Lebens ist ja nun mal eine überaus ernste. Da muss es nicht krach-komisch zugehen. Das Leise ist ja bekanntlich oft wirkungsvoller.

"Und Gott sprach: Wir müssen reden!", Zirkusszene. (Vera Weisbrod, Michaela Wiebusch); © Barbara Braun
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Überflüssige Szenen

Boulevard-Theater eilt noch immer der nicht so gute Ruf voraus, mit Uralt-Gags wie Tür auf, Tür zu, Liebesglück und Liebespein, auf schenkelklopfenden Humor zu setzen. Die Ku'damm-Bühnen haben schon oft gezeigt, dass es auch anders geht, dass modernes Boulevard-Theater sehr wohl in jeder Hinsicht Klasse haben kann.

Das will wohl auch die neue Produktion unterstreichen, was über weite Strecken gut gelingt. Leider gibt es einen Einfall, der das Vergnügen stört: zahlreiche Zirkusnummern unterbrechen die Szenenfolge, müssen wohl Umbauten und das Umkleiden einiger Akteure, die zum Teil mehrere Rollen spielen, kaschieren. Soll da eine besondere Poesie entstehen? Sie entsteht nicht. Die Szenen sind nicht nur überflüssig, sie stören.

Blick hinter die Maske

Wer brachialen Witz sucht, wird hier nicht bedient. Diese Romanadaption ist eher etwas für Theater-Fans, die Humor der leiseren Art mögen, Humor, der neben allem Vergnügen auch ein wenig Nachdenken auslöst, etwa über die Frage, was den Mensch denn als Menschen ausmacht. Auf schöne Art wird gezeigt, welche Lust es bringen kann, hinter die Masken zu blicken. Und wie nützlich es ist, sich mal wieder zu fragen, was sich hinter dem Begriff "Nächstenliebe" verbirgt, was "Nächstenliebe" sein kann und sollte, egal, ob man an Gott glaubt oder nicht.

Peter Claus, kulturradio