Susanna Mälkki; © Simon Fowler
Bild: Simon Fowler

Philharmonie Berlin - Musikfest Berlin | Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Susanna Mälkki

Bewertung:

Der Anblick einer Dirigentin vor den Berliner Philharmonikern ist immer noch ungewöhnlich. Im letzten Jahrzehnt tauchten da gerade mal drei Namen auf.

Darunter war im Jahr 2008 Susanna Mälkki. Fast neun Jahre hat es also gedauert, bis sie wieder eingeladen wurde. Und es hat sich gelohnt! Mälkki geht ganz vom Rhythmus und von energetischen Impulsen aus, hier wird keine Melodie geformt oder vorgemacht. Kühl disponierend, aber nicht kalt. Busonis Tanz-Walzer ist eine Parodie auf Straus und so elegant und geschliffen kommt er herüber. Wer den tanzt, der ist ganz Stil und null erotisch.

Triumph der Virtuosität

Ein ganz anderes Kaliber ist Gil Shaham mit dem 2. Violinkonzert von Bartók. Er spielt die höllisch schwere Musik mit einer atemberaubenden Leichtigkeit und Souveränität. Oft rückt er Mälkki zu Leibe, wendet sich zum Orchester, gibt den Stehgeiger. Im ersten Satz verweigern beide Schmelz oder Schmäh, den man durchaus auch in der Partitur finden könnte. Aber der Variationssatz ist dafür so wunderbar zerbrechlich sanft, so fein, dass man keine extrovertierte Gefühlsduselei vermisst. Triumph der Virtuosität schließlich war der 3. Satz, dabei immer noch elegant!

Sibelius' 2. Sinfonie ist ein Schmelztiegel tiefer Gefühle und philosophischer Konzepte, aber auch ein magisches Stück. Alles Metaphysische sucht Mälkki nicht, dafür architektonische Verläufe, gleißende Flüsse, große Bögen, nordisch kühl aber doch voller Kraft. Eine eigenwillige und gleichwohl packende Sicht des Stücks.

Clemens Goldberg, kulturradio

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