Teodor Currentzis; © Robert Kittel / Sony Classical

Philharmonie Berlin - Musikfest Berlin | Teodor Currentzis und das Orchestra MusicAeterna

Bewertung:

Seit Jahren sorgt der Dirigent Teodor Currentzis mit seinem Orchestra MusicAeterna und dem gleichnamigen Chor für Furore. Gestern nun war er mit seinen Ensembles beim Musikfest Berlin zu erleben.

Ein Konzert als Gottesdienst, das ist wohl die "neuartige" Konzeption, mit der der "Klassikbetrieb" aufgebrochen werden soll. So kommen die Chorsänger und später das Orchester Musicaeterna in Mönchskutten auf die Bühne, Kerzen werden abgesetzt, tiefes Dunkel im Saal verhindert jedes Verfolgen von Texten im Programmheft. Das ist sowieso überflüssig geworden, da alles kurzfristig umgestellt und verändert wurde. Text fällt also ganz aus. Scheint auch überflüssig, denn Teodor Currentzis hat es auf Emotionen abgesehen, tiefe Gefühle, die allerdings immer in Gefahr stehen, überzuborden. Bewundernswert vielfältig, voll russischer Seele der Klang des Chores im ersten Teil, der ganz dem sündigen Zustand des Menschen und seiner Sehnsucht nach Ewigkeit und Erlösung gewidmet ist. Ligetis "Lux aeterna" muss man tatsächlich nicht wörtlich verstehen, der Chor versteht es magisch, ewige Weite zu suggerieren, schwierigste Klänge in Schwerelosigkeit zu verwandeln. Heftig das staccato-Credo Stravinsky, inbrünstig Schnittke, sehr übertrieben manieriert Purcell. Der wurde abschließend mit Stummfilmgesten und Raumwandern verbunden, das war dann allerdings ziemlich peinlich.

Begeistertes Publikum

Mozarts Requiem in der zweiten Hälfte war keine Erleuchtung. Alles einfach noch schneller, noch heftiger, noch buchstabierter als anderwärts. Man wähnte sich auch hier in einer Stummfilmästhetik, die letztlich durch die Übertreibungen sich ihrer Wirkung beraubt. Dass diese Art der Kirchen-Ästhetik mit Barock-Grotesken ein begeistertes Publikum findet, wird zumindest im Augenblick der Neuheit (so neu ist sie übrigens nicht) eine Weile anhalten.

Clemens Goldberg, kulturradio

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