Young Euro Classic 2017: Cuban-European Youth Orchestra © MUTESOUVENIR | KAI BIENERT
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Konzerthaus Berlin - Young Euro Classic: Cuban-European Youth Orchestra

Bewertung:

Ein insgesamt sehr gelungener Abschluss des Festivals und eine heiße Empfehlung an alle führenden Orchester der Stadt ...

Die in die Jahre gekommene Festivalhymne (bitte mal endlich eine neue in Auftrag geben!) klang noch recht schief, aber was dann kam, war Orchestermusik vom Feinsten, gefeilt, durchsichtig, jedes Detail gearbeitet, trotzdem nicht dressiert oder angstvoll, immer leicht und schwebend. Dies ist vorzüglich das Verdienst des jungen Dirigenten Duncan Ward, Assistent von Simon Rattle, Bandleader, Komponist und merklich leidenschaftlicher Vermittler. Vor ihm haben die Musiker keine Angst, sie fühlen sich offenbar beflügelt. Beethovens Geschöpfe des Prometheus wurden blitzlebendig

Sophie Pacini im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf

Sophie Pacini

Sophie Pacini konnte da als Solistin im 3. Beethoven Klavierkonzert nur bedingt mithalten. Sie ist eine feine, auch leise Töne wagende Solistin, es fehlt aber an Gestaltungswillen und Dialogfähigkeit auf der Höhe des Orchesters. Besonders spürbar war die Luft nach oben in der Kadenz des 1. Satzes, die einfach abspulte, ohne Punkt und Komma. Zugaben sind ja da meist eine Gelegenheit, freier aufzuspielen, aber die 6. Ungarische Rhapsodie von Liszt wollte auch nicht frei werden. Immerhin 4 Cds hat Pacini schon eingespielt, aber die eigentliche Bewährung ist dann doch die Bühne!

Gelungener Abschluss

Südamerikanische Rhythmen sind für ein zumindest zur Hälfte Kubanisches Orchester natürlich ein Heimspiel. Aber auch bei Ibers "Bacchanal" und Gershwins Kubanischer Ouvertüre hatte Duncan Ward sehr genau vorgearbeitet, manchmal hätte man sich sogar ein wenig mehr Anarchie vorstellen können.

Eine weitere Tradition bei Young Euro ist die zeitgenössische Komposition, und auch, dass diese meist sehr brav sind. Auch Jenny Peña Campos Suite war da keine Ausnahme, aber sie versetzte doch in geheimnisvolle Rituale und den Karneval von Havanna. Zudem konnte sich der Sologeiger und viele Mitglieder des Orchesters, insbesondere des Schlagzeugs, beweisen.

Am eindrucksvollsten: der gemeinsame Summ-Gesang des Orchesters. Ein insgesamt sehr gelungener Abschluss des Festivals und eine heiße Empfehlung an alle führenden Orchester der Stadt: Duncan Ward wird eine glänzende Karriere machen, hier heißt es zugreifen!

Clemens Goldberg, kulturradio

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