La Bettleropera, © Matthias Heyde
Bild: Neuköllnische Oper, © Matthias Heyde

Neuköllner Oper - La BETTLEROPERa

Bewertung:

Sicherlich stellt die Verballhornung von John Gays "Bettleroper" zu "La BETTLEROPERa" (O Graus!) den Versuch dar, der Händel-Travestie einen italienischen Drill und Dreh zu geben.
Zugleich haben wir es mit einer Jubiläumsproduktion zu "40 Jahre Neuköllner Oper" zu tun. Mitbegründer Winfried Radeke hatte schon 1986 eine eigene Version der "Beggar’s Opera" vorgestellt.

Moritz Eggert hat nicht weniger als 28 Songs neu geschrieben, um – über Brecht/Weill keck hinwegspringend – das Bierfass dieser Vorlage noch mal neu aufzumachen. Vom Weill-Erbe kommen die Songs trotzdem nicht los. Schon Brecht haderte mit der dürftigen Handlung der Vorlage. Schieber-Tochter Polly will heiraten – und macht so alle redlichen Vorsätze der Eltern, ihre Tochter zu einer Kriminellen zu erziehen, zunichte. Regisseurin Michela Lucenti bleibt mit Lack, Stiefeln und Melonen gleichfalls dem Schwarz-Weiß-Expressionismus der "Dreigroschenoper" verhaftet. Auch dass wir einen "Musiktheatertanz" (so der Untertitel) erleben, ist bloße Neuheitsbehauptung. Zwar diffundieren die Choreographien leicht über einzelne Tanzszenen hinaus; es wird aber trotzdem nicht mehr daraus als ein Song-Spiel mit gesteigerten Tanz-Befall. Wie man überhaupt, indem man wieder mal ganz was Neues wagt, den ältesten Klischees in die weit geöffneten Arme fällt.

La Bettleropera, © Matthias Heyde
La Bettleropera, © Matthias Heyde

Dem Publikum gefällt's

Wäre ich dieser "Bettleropera" in Mailand, Mannheim oder München privat begegnet, ich wäre erbarmungslos in der Pause geflohen. Übrigens: Zur Premiere wurde getrampelt und gejohlt vor Verzückung. Die Neuköllner Oper ist nun mal ein Publikumshaus – und hat ihre eigene Klientel gut im Blick. Als Kritiker prognostiziere ich: Da kommen noch bessere Sachen nach.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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