Freiburger Barockorchester © Annelies van der Vegt
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Philharmonie Berlin - Freiburger Barockorchester - Telemann

Bewertung:

Vor 250 Jahren ist Georg Georg Philipp Telemann gestorben. Der Komponist ist ein ständiger Begleiter des Freiburger Barockorchesters. Und da wundert es nicht, dass das FBO seine Saison mit einem reinen Telemann-Programm eröffnet.

Das Freiburger Barockorchester hat sich in seinem 30jährigen Bestehen als eines der führenden Ensembles seiner Art etabliert. Es ist gewissermaßen der Klassiker unter ihnen, nichts wird überstrapaziert, gegen den Strich gebürstet oder gewaltsam originell gestaltet. Das kommt Telemanns Tafelmusik sehr entgegen. Hier ist große Vielfarbigkeit, Raffinesse, Spielfreude gefragt, aber auch Virtuosität. Denn Telemann gestaltet Tanzsätze als kleine Konzerte, ganz gemäß dem von ihm mit erfundenen gemischten Stil. Etwas mehr energetische Aufladung hätte man sich allerdings trotzdem ab und zu gewünscht. Trotzdem kam sehr gut heraus, warum Telemann als der wichtigste Komponist seiner Zeit galt: modern, nicht überladen, unterhaltsam, eine tolle Mischung.

Wunderbar berührend

Wunderbar berührend dann die beiden Schalmeien von Lorenzo Coppola und Tindaro Capuano. Fast unwirklich esoterisch die Klänge, die sie ihren Instrumenten entlockten, und was für wunderbare Musik!

Dass Telemann noch mit 84 Jahren Avantgarde sein konnte, beweist sein letztes Werk, die Kantate "Ino". Carolyn Sampson bewies, dass sie auch in hohen Lagen und virtuosesten Passagen jedes Wort verständlich machen konnte, und das in jedem Sinn! eine Ausnahmekünstlerin, die alle Gemütslagen von Anklage, Verzweiflung, Angst, Freude über Rettung, Dankbarkeit gestalten kann.

Eine Mutter, die auf der Flucht vor dem verrückt gewordenen Ehemann ist, mit ihrem Kind ins Meer springt und dann von den Göttern gerettet wird: all dies gestaltet Telemann à la Gluck, packend, bewegend. Ganz so, wie das FBO es mit der großen Carolyn Sampson verwirklichte.

Clemens Goldberg, kulturradio

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