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Philharmonie Berlin - Russian National Orchestra unter der Leitung von Michail Pletnev

Bewertung:

Die Musiker des Russischen Nationalorchesters wirkten an diesem Abend weitgehend freudlos, nur an wenigen Stellen wurde innere Bewegung spürbar.

Mikhail Pletnev ist zwar erst 60 Jahre alt, aber er wirkt wesentlich älter, wenn er langsam und irgendwie lustlos auf die Bühne kommt, lustlos dem später auch sehr unernergetisch agierenden Konzertmeister die Hand gibt. Vor der Tschaikowski Sinfonie muss er ihn am Arm aus einer Konversation mit seiner Pultnachbarin auf sich aufmerksam machen! Leider wirkten auch die Musiker des Russischen Nationalorchesters weitgehend freudlos, als habe man eine lästige Aufgabe vor sich.

Dabei ist Mieczyslaw Karlowichs Serenade ein recht originelles Stück mit viel Kolorit und auch einem harmonisch anspruchsvollen langsamen Satz. Das Orchester spielte wie aufgezogen, keinerlei innere Bewegung. Diese kam nur plötzlich im Walzer auf.

Mehr Leben kam durch die Bläser ins Spiel. In Tschaikowskis selten zu hörender 3. Sinfonie kam vor allem in den lyrischen Passagen mehr Leben auf, tatsächlich auch mal inneres Engagement. Besonders fallen dann innige Soli wie diejenigen der Flöte oder des Englischhorns auf. Aber immer wenn es schnell und mächtig wurde, war die Steifheit und mangelnde Individualität schmerzhaft spürbar.

Der noch junge Pianist Lucas Debargue hatte viel mit Brille und Stuhl zu tun, bis er sich in Ravels Klavierkonzert begab, noch länger dauerte es, bis er in die nicht angesagte Zugabe hineinfand. Am meisten wurde man neugierig, wenn es innerlich wurde, etwa in der langen Eingangspassage zum 2. Satz. Da wurde eine feine Innerlichkeit spürbar, allerdings auch ein Mangel an Farben und Melodiegestaltung, da versackten immer wieder Einzeltöne, ohne zueinander zu finden. In den jazzigen Passagen agierte Debargue eifrig, aber auch nicht wirklich locker und oft schematisch. Die Bläser des Orchesters hatten auch hier einige lebendige Soli.

Clemens Goldberg, kulturradio

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