Cirque du soleil: Ovo © Benoit Fontaine
Benoit Fontaine
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Mercedes-Benz Arena - Cirque du Soleil: "Ovo"

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Der Cirque du Soleil steht seit über 30 Jahren für bildmächtige und ausgeklügelte Zirkusshows, ist aber  auch das größte weltweite Zirkusunternehmen, Arbeitgeber für allein 1300 Artisten, das mit unterschiedlichen Stücken gleichzeitig weltweit tourt, aber auch inzwischen feste Spielstätten zum Beispiel in Las Vegas hat.

Es knarzt und zwitschert

Grundidee von der Show "OVO", was auf Portugiesisch Ei bedeutet, ist, den Mikrokosmos von Insekten unter die Lupe zu nehmen, die Körperlichkeit der "Krabbeltiere", aber auch ihre tierischen, oft allzu menschlichen Verhaltensweisen.

Zunächst auf der Bühne angeleuchtet ein riesiges Ei und eine dschungelhafte Geräuschkulisse. Da knarzt und zwitschert es, während unterschiedlichste Insektenwesen auf die Bühne hüpfen, kriechen und springen. Spätestens wenn sechs wuselige Ameisenfiguren anfangen, Kiwis auf ihren Füßen zu jonglieren und sich gegenseitig gleich mit dazu durch die Luft wirbeln, vergisst man die sterile Eishockeyhallen-Ästhetik der Mercedes-Benz–Arena und ist in der schrill-bunten Insektenwelt von "OVO" gelandet.

Cirque du soleil: Ovo © Benoit Fontaine
© Benoit Fontaine

Farbenfroh

Eine farbenfrohe Show der brasilianischen Choreographin Deborah Colker, die mit ihrem eigenen Tanzensemble weltweit unterwegs ist und unter anderem für die spektakuläre Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Rio verantwortlich war. Als erste Frau hat sie mit " OVO" ein Stück für den Cirque du soleil entwickelt.

Eine Handlung im Sinn einer Geschichte gibt es bei "OVO" nicht, vielmehr die Idee des wuseligen Insektenkosmos, vermittelt durch sehr ideenreiche Kostüme und sehr originelle artistischen Bewegungen, ob nun Spinne, Grashüpfer oder Skarabäus, sich im Handstand auf lianenartigen Gewächsen verbiegen, am Trapez durch die Luft fliegen oder Felswände hinauf- und hinunterspringen. Die Artisten bleiben in ihren Bewegungen immer Insekten, auch wenn sie gerade nur als Nebenfigur auf der Bühne sind.

Cirque du soleil: Ovo © Benoit Fontaine
© Benoit Fontaine | Bild: Benoit Fontaine

Insgesamt werden 11 artistische Acts gezeigt von unterschiedlichen Insektenwesen, in originell überzeichneten Kostümen, die das jeweilige Tier nur andeuten. Das Ganze eingebunden in die Gesamtchoreographie, von Bossa-Nova und Samba-Klängen mit Elektrobeats und echten Insektengeräuschen organisch verbunden.

Außerdem gibt es noch drei Hauptfiguren: eine üppige Marienkäferdame, die an eine brasilianische Karnevalsfigur erinnert, einen blau-stacheligen Fliegenmann, der das Ei in die Insektengemeinschaft bringt und der Marienkäferdame verfällt und eine Art grellbunter Borkenkäfer, der etwas trottelige Chef der Insekten, der die Annäherungsversuche des Konkurrenten zu unterbinden versucht. Die drei tauchen immer wieder in kleinen Spielszenen auf, als Art Insektenclowns in einer Fantasiesprache brabbelnd, sich balgend und wieder vertragend.

Hoch professionelles harmonisches Ganzes

Klar wirkt manch komische Situation etwas routiniert abgenudelt, schließlich ist so eine Tournee lang und manch Hochleistungsartistik müsste man ganz so verbogen nicht haben. Aber insgesamt bilden die artistischen Choreographien, vor großflächigen farbigen Pflanzenprojektionen, in einem ausgefeilten Bühnenbild aus Felsen, Riesenblumen und Hebe- und Senktechnik zusammen mit der live eingespielten Musik ein hoch professionelles harmonisches Ganzes, das sich gerne anschauen lässt – auch wenn die sterile Arena nicht grad der Wunschort für so eine originelle Aufführung ist - ein etwas kleineres Zelt wäre sicher feiner gewesen!

Frauke Thiele, kulturradio

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