Vladimir Stoupel; © Gregor Baron
Gregor Baron
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Konzerthaus Berlin - 2 x hören ZEITGENÖSSISCH

Bewertung:

Manchmal möchte man ein Buch, das man gerade ausgelesen hat, direkt noch einmal von vorne beginnen. Und manchmal möchte man ein Musikstück einfach gleich noch einmal hören. "2 x hören" heißt die Reihe im Konzerthaus, die dieses Doppelthören möglich macht.

Die Musik ist faszinierend

Beim ersten Hören erschließen sich Schostakowitschs Romanzen nach Gedichten von Alexander Blok als sehr feinnervige Vertonungen, die um Shakespeares Ophelia und Sturm kreisen und viel Todesahnung, Übernatürliches und am Schluss das Ende sogar von Musik erfahrbar machen. Anna Gütter singt russisch, man merkt ihre Gestaltung und verfolgt den Text soweit möglich im Deutschen parallel.

Die Musik ist faszinierend, weil hier ein Klaviertrio mit von der Partie ist, am Anfang in Duos mit der Sängerin, am Schluss gemeinsam. Sehr schwieirg, da Zerbrechlich und mit weitesten Phrasen. Jurdith Ingolfsson, Friedemann Ludwig und Vladimir Stoupel gestalten das mit merklicher innerer Bewegung und großer Intensität.

Dann kommt der Komponist Christian Jost. Wir erfahren, dass die Musik nach Schostakowitschs erstem, fast tödlichen Herzinfarkt komponiert wurde. Das wirft ein ganz neues, eindringliches Licht auf diese schier hoffnungslose Musik. Dann erklärt Vladimir Stoupel sehr überzeugend, wie schlecht die deutsche Übersetzung der symbolistischen und hoch musikalischen Texte ist.

Christian Jost im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf
Christian Jost © Carsten Kampf

Sympathischer Moderator

Schade, dass man das dem Konzerthaus nicht rechtzeitig vermitteln konnte, denn es ist natürlich frustrierend, alles falsch zu verstehen! Jost ist ein sympathischer Moderator, der allerdings Dramaturgie und Zeit nicht im Griff hat, zu sehr verlaufen sich die Dinge, so dass die Zeit des Gesprächs und der Erklärung das Doppelte der Musik ausmacht, entschieden zu viel, was auch mancher Besucher durch Abwanderung quittierte.

Dann das zweite Hören: plötzlich ist alles noch organischer, die Zeit vergeht ganz schnell, die inneren Beziehungen sind deutlicher. Sogar die Musiker scheinen noch souveräner zu spielen. Das wäre auch mit wenigen, eindringlichen Worten herstellbar gewesen!

Clemens Goldberg, kulturradio

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