Anne-Sophie Mutter mit Daniel Müller-Schott und Lambert Orkis © Oliver Lang
Oliver Lang
Bild: Oliver Lang Download (mp3, 4 MB)

Konzerthaus Berlin - Hommage an Mstislaw Rostropowitsch

Bewertung:

Eigentlich eine schöne Idee: Weggefährten von Mstislaw Rostropowitsch spielen die Stücke, die der Jahrhundertcellist selbst so grandios interpretiert hat. Nur klaffte hier zwischen Anspruch und klingender Realität eine riesige Lücke.

Der Verbindungen sind viele: Anne-Sophie Mutter hat mit Mstislaw Rostropowitsch im Streichtrio zusammengearbeitet, auch unter seiner Leitung (als Dirigent, der Rostropowitsch ebenfalls war). Über ihn hat sie auch ihren inzwischen Dauerklavierbegleiter Lambert Orkis kennengelernt, der zuvor Rostropowitsch begleitet hatte. Und der Cellist Daniel Müller-Schott hat von seinem großen Kollegen Unterricht erhalten.

Nur einige der vielen Bezugspunkte. Das ganze Programm ist auf den großen Russen fokussiert. Am Beginn des Abends gab es ein kleines Video mit Statements der beteiligten Künstler. Eine Sache ist dabei ganz besonders deutlich geworden: Rostropowitsch war ein Musiker, der in seinen Interpretationen nur Extreme kannte.

Ein Nichts

Auch André Previn hat mit Mstislaw Rostropowitsch zusammengearbeitet. Das Multitalent Previn: Komponist, Dirigent, Pianist. Warum aber dieses Klaviertrio auf dem Programm stand, mag wohl darin begründet gewesen sein, dass Anne-Sophie Mutter und André Previn ein paar Jahre verheiratet waren und sie bis heute regelmäßig seine Werke spielt. Das alles wäre nicht der Rede wert, wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren könnte, dass letzteres der einzige Grund war, dieses Werk auf das Programm zu setzen.

Previns erstes Klaviertrio ist leider ein entsetzlich plattes, banales und oberflächliches Stück. Eine neoklassizistische Spielmusik, in der ein paar nichtssagende Floskeln aneinandergereiht werden, das alles weitgehend tonal mit ein paar impressionistischen Einsprengseln und etwas spätromantischer Kitsch-Soße, kurz: ein aufgedonnertes Nichts. Das an einem Abend an die Seite von Beethoven und Schostakowitsch zu stellen, ist – vorsichtig ausgedrückt – mutig.

Die bedeutende Aufnahme

Auch das c-Moll-Streichtrio von Ludwig van Beethoven steht in Beziehung zu Rostropowitsch. Denn mit ihm und dem Bratscher Bruno Giuranna hat Anne-Sophie Mutter das vor zwei Jahrzehnten aufgenommen. Immer noch eine der bedeutendsten Aufnahmen dieses Werkes.

Nur kann man das heute nicht mehr damit vergleichen, wie Anne-Sophie Mutter inzwischen leider spielt. Ihr Geigenton ist gepresst und verquietscht, vieles platzt einfach heraus. Ihre Intonation ist eine Katastrophe. Zudem spielt sie sich extrem in den Vordergrund. Dabei hat sie bessere Mitspieler. Während der Bratscher Vladimir Babeshko eher unauffällig agiert, zeigt Daniel Müller-Schott einen warmen, angenehmen Ton. Aber das alles bringt nichts, wenn es so derart unausgegoren und zudem schlecht geprobt über die Rampe kommt.

Der Melodiker

Bei einer Hommage an Mstislaw Rostropowitsch darf Musik von Dmitrij Schostakowitsch nicht fehlen. Beide waren miteinander befreundet – Schostakowitsch schrieb unter anderem seine beiden Cellokonzerte für ihn. Eine gute Idee, das zweite Klaviertrio, dieses bewegende und erschütternde Trauerstück auf ein Programm zu setzen. Eigentlich – denn so möchte man es eher nicht hören.

Auch hier klang der Geigenton von Anne-Sophie Mutter ausgeleiert oder auf den Saiten gesägt, dazu das uninspirierte Klavierspiel von Lambert Orkis, kaum mehr als ein mittelmäßiger Klavierbegleiter ohne eigene Akzente  und mit schmalem Ausdrucksbereich im Anschlag. Und auch hier erwies sich Daniel Müller-Schott als der beste Interpret des Abends, der wenigstens im Ansatz zeigte, welch berührender Melodiker Schostakowitsch war. Wenige schöne Momente einer insgesamt missglückten Aufführung.

Konzeptionell gut, musikalisch ein Debakel

Die Dramaturgie des Konzerthauses hat vieles richtig gemacht. Es ist eine schöne Idee, zum zehnten Todestag von Mstislaw Rostropowitsch einige der Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die diesen großen Musiker erlebt und mit ihm zusammengearbeitet haben, und Werke aufzuführen, die Rostropowitsch selbst auf so einzigartige Weise interpretiert hat.

Musikalisch war dieser Abend jedoch ein komplettes Debakel. Vor allem Anne-Sophie Mutter bräuchte dringend eine kreative Pause. Schon seit Jahren ist sie in der Krise, wenn man ihr Spiel mit ihren guten frühen Aufnahmen vergleicht, aber so schlecht wie bei diesem Konzert hat man sie kaum einmal erlebt.

Andreas Göbel, kulturradio

Weitere Rezensionen

Kit Armstrong © Neda Navaee
Konzerthaus Berlin; © Neda Navaee

Konzerthaus Berlin - Akademie für Alte Musik

Kit Armstrong ist ein weltweit gefeierter Pianist. Für die Akademie für Alte Musik Berlin hat er vor zwei Jahren das Konzert für Hammerklavier und Orchester komponiert. Gestern war das Stück - neben Werken von Johann Christian Bach und Mozart zu hören.

Download (mp3, 4 MB)