Magdalena Kožená; © Harald Hoffmann / DG
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Konzerthaus Berlin - Magdalena Kožená und das Venice Baroque Orchestra

Bewertung:
Ein ganzer Abend nur mit Werken von Georg Friedrich Händel – das kann problematisch sein. Hier aber überwog die herausragende künstlerische Qualität einer langjährigen Zusammenarbeit, die sich aufs Schönste bewährt hat.

Die Mezzosopranistin Magdalena Kožená ist nicht gerade selten in Berlin zu erleben. Dieser Abend zusammen mit dem Venice Baroque Orchestra war dennoch etwas Besonderes, weil sie mit Alter Musik zu hören war. Die Sängerin hat in der Stadt schon alles Mögliche aufgeführt, war in den letzten Jahren vielleicht ein bisschen zu oft besetzt. Man kann das anmerken, nicht weil sie das alles nicht gut gemacht hätte – ganz im Gegenteil! Aber sie hat es eigentlich nicht nötig, nur deswegen bei den Berliner Philharmonikern so häufig engagiert zu werden, weil ihr Mann Simon Rattle dort Chefdirigent ist.

Nun also zurück zu ihren eigentlichen Wurzeln, der Alten Musik. Schon vor zehn Jahren hat Magdalena Kožená ein hervorragendes Händel-Album herausgebracht, ebenfalls mit dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon. Von insgesamt zehn Arien, inklusive der Zugaben, waren dann doch nur zwei identisch. Eine Erweiterung ihres Repertoires.

Händel, Händel, Händel

Fast zweieinhalb Stunden gab es nichts als Georg Friedrich Händel. Zur Pause, nach einer knappen Stunde hatte man das Gefühl, es sei eigentlich genug. Die Bandbreite der Händel-Arien zwischen Rachearie und Virtuosennummer schien auserzählt, und nach der Pause blieben auch ein paar mehr Plätze frei.

Letztlich hat es aber doch getragen, weil Magdalena Kožená im zweiten Teil über sich hinausgewachsen ist. Vor der Pause hatte sie eine entsetzlich schwere Arie zu singen, die reinste Vokalartistik. Das ist ihr gut gelungen, aber sicherheitshalber hatte sie sich hier ausnahmsweise (alles andere war auswendig) einen Notenständer hinstellen lassen. Anschließend wirkte sie unglaublich gelöst, voller Natürlichkeit und Intensität, unangestrengt. Und gerade da gingen ihre Interpretationen unter die Haut.

Auf dem Höhepunkt ihrer Gestaltungskunst

Händel ist für Magdalena Kožená ein idealer Komponist, weil er ein grandioser Charakterzeichner ist. In seiner Musik steht nicht nur die stimmliche Glanzleistung im Vordergrund, sondern er lotet die Gefühle seiner Opernfiguren bis in den hintersten Winkel aus. Wenn da jemand verzweifelt ist, dann so schlimm, dass man am liebsten mitheult. Positive Gefühle hingegen erscheinen so voller Farbe und Glück, dass das Konzerthaus in der Vorstellung zu einem prachtvollen Garten wird.

Das ist die eigentliche Stärke von Magdalena Kožená: Sie kann stimmlich Giftpfeile abschießen, dass man am liebsten in Deckung deckt. Und sie kann einen einzelnen Ton so dicht, intensiv und schmerzlich gestalten, dass man fast schon physisch mitleidet. Das war schon immer ihr Markenzeichen, seitdem vor über zwei Jahrzehnten ihre Karriere durchgestartet ist. Jetzt ist aber noch der große Bogen hinzugekommen. Früher klang manches nach Momentaufnahme, jetzt ist jede Arie als Ganzes formvollendet. Man muss es so sagen: Magdalena Kožená ist auf dem Höhepunkt ihrer Gestaltungskunst.

Empfindliches Gleichgewicht

Mit dem Venice Baroque Orchestra verbindet Magdalena Kožená eine lange Zusammenarbeit, und das spürt man. Das Barockensemble verzichtet auf jede falsche Zurückhaltung. Die Musikerinnen und Musiker können in den Vorspielen zu den Arien leicht eine ähnliche Intensität aufbauen. Das ist klanglich schon eine gewisse Konkurrenz für die Stimme.

Mitunter, besonders im ersten Teil des Konzerts, musste man überlegen, ob die Stimme nicht zu sehr hinter dem Orchester zu verschwinden drohte. Aber das Venice Baroque Orchestra kann mit Recht selbstbewusst aufspielen. Sie haben herausragende Solisten, so dass die Arien phasenweise verkappte Duette waren: Singstimme plus Solo-Fagott oder Solo-Geige. Die Sängerin als Solistin, aber auch immer Teil des Orchesters. Ein solches empfindliches Gleichgewicht funktioniert nur, wenn man sich gut kennt.

Cembalo im Stehen

Rein instrumental steuerte das Venice Baroque Orchestra noch ein paar Concerti grossi von Händel bei. Und das klang so, wie man das Originalklang-Ensemble kennt: luftig leicht und alles mit einer gewissen Süffigkeit, mit gehaltvoller Sahne abgeschmeckt.

Andrea Marcon hält alles straff zusammen. Er steht vor dem Orchester, vor sich ein Cembalo auf einem kleinen Podest, so dass er tatsächlich im Stehen spielen kann. Das hat man nicht alle Tage, aber es funktioniert. Hier und da hätte die Intonation im Orchester sauberer sein können, aber im Gedächtnis bleibt vor allem die emotionale Bandbreite, die sich auch in den Orchesterstücken wiederfand. Ein Konzert auf sehr hohem Niveau.

Andreas Göbel, kulturradio

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