Heroes are Gang Leaders © Camille Blake/Berliner Festspiele
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Lido - Eröffnungskonzert Jazzfest Berlin 2017

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Ein "Relikt des alten Westberlins", das Jazzfest, rückt weiter gen Osten, begibt sich auf die Reise ins Unbekannte. Zwei Bands des Londoner und New Yorker Jazz-Undergrounds eröffnen im Lido eines der größten Jazz-Festivals Deutschlands. Ein Weg ins Risiko?

Ein neuer Spielort

Mit seiner Eröffnung im Kreuzberger Szeneclub Lido ist das Jazzfest Berlin ein Stück weit in Richtung Alltag gerückt worden. Das Lido genießt einen guten Ruf bei einem Publikum, dass weniger jazzaffin ist als die typische Jazzfest-Klientel. Der Altersdurchschnitt war entsprechend geringer als zumeist im Haus der Berliner Festspiele. Zudem ist das Festival, das immer noch als Relikt des "alten Westberlins" gilt, ein Stück weiter in Richtung Osten gerückt. Diese Entscheidung verlangte auch nach programmatischen Unterschieden, da man auf der kleinen Bühne nicht mit einer großen Big Band oder dem glamourösen Superstar beginnen kann.

Der Weg ins Risiko

Mit den beiden Bands wurde der Jazz-Underground aus London und New York auf die Bühne des Jazzfests geholt. Für das Eröffnungskonzert eines der größten deutschen Jazz-Festivals freilich ein Risiko, aber genau das braucht der Jazz. Jazz sollte ja auch immer eine Reise ins Unbekannte sein. Die Nähe der Künstler zum Publikum war viel spürbarer als im Haus der Berliner Festspiele. Beide Bands verkörpern eher die Zukunft als die Errungenschaften des Jazz.

Das Lido bot auch den richtigen Rahmen für politische Statements, an denen es ja im letzten Jahr eklatant gemangelt hatte. Festivalleiter Richard Williams wies als Brite auf den Brexit und seine Folgen hin und betonte, dass sich der Gedanke, Jazz sei eine Musik, die gesellschaftliche Gräben zuschütte, als roter Faden durch das Festival ziehe. Das Publikum reagierte auf diese Ansage dankbar.

Shabaka and the Ancestors © Camille Blake/Berliner Festspiele
© Camille Blake/Berliner Festspiele | Bild: Camille Blake/Berliner Festspiele

Musikalische Unterschiede

Die beiden Bands waren sehr unterschiedlich und wurden auch vom Publikum recht verschieden aufgenommen. Das New Yorker Kollektiv Heroes Are Gang Leaders mit fünf Poeten sowie sechs Musikern sorgt in New York seit einiger Zeit für Furore. In Berlin wollte der Funke aber nicht so recht überspringen. Die Band wirkte schlecht eingespielt und teilweise überambitioniert und mit der kakophonen Poetry konnten nur die amerikanischen Besucher etwas anfangen.

Shabaka Hutchings ist ein Protagonist des aufmüpfigen Londoner Jazz-Untergrunds, seine Ansestors kommen aus Südafrika. Über ihrer Performance lag eine druckvolle Feierlichkeit. Sie betrieben ein raffiniertes Spiel mit Stille und Eruptionen, in dem Richard Williams’ Postulat, Gräben zwischen Kontinenten, Kulturen und Gegenwart und Vergangenheit zuzuschütten, eingelöst wurde.

Wolf Kampmann, kulturradio

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