Pablo Heras-Casado; Foto: © Fernando Sancho
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Boulez Saal - Staatskapelle Berlin & Pablo Heras-Casado

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Fast auf dem Schoß: Im Konzerthaus gibt es ein Format, bei dem man mitten im Orchester sitzen kann. So fühlt es sich etwa an, wenn die Staatskapelle im Boulez-Saal auftritt.

Dort nimmt das Orchester die Bühne komplett ein und die Leute in der ersten Reihe befinden sich wirklich in unmittelbarer Nähe der Musiker. Das ist mal eine interessante Erfahrung, ist aber sicher nicht wiederholungsbedürftig.

Auf dem Programm eigentlich drei Avantgardisten: Schönberg, Strawinsky, der späte Haydn. Aber nur letzterer erwies sich als ganz auf der Höhe der Zeit. Seine Paukenwirbel-Sinfonie geriet unter der kompetenten und spannungsgeladenen Leitung von Pablo Heras-Casado so energetisch, dass manche falschen Töne und Intonationstrübungen zu verzeichnen waren - ein lässliche Sünde, wenn sie aus Überspannung entsteht!

Beschwörungen der Vergangenheit

Schönbergs Kammersinfonie Nr. 2 war einmal als frei atonales Stück 1906 geplant, aber dann tonal-seriell und völlig motivisch durchorganisiert im amerikanischen Exil fertiggestellt. Die Nostalgie des ersten Satzes hätte man sinnlicher machen können, aber es bleibt der fatale Eindruck eines überkonstruierten, verzweifelt in die Vergangenheit schauenden Stücks.

Wenn das Enfant Terrible Strawinsky in seinem Klavierkonzert mit Bläsern die Vergangenheit beschwört, so deckt die technische Brillanz, die motorische Energie nur Leere zu. Plamena Mangova spielte mit Hochspannung, manchmal verbissen, die Staatskapelle hätte an den Klängen feilen können. Aber die Lüge des Sentiments wäre trotzdem herausgekommen. Zwei Stücke, die höchstens historisch relevant sind. Plamena Mangovas eigentlich völlig unpassenden (wie oft das doch sein muss….) Zugaben: Chopin und Liszt, demaskierten zudem den Neoklassizismus Strawinskys.

Clemens Goldberg, kulturradio

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