Lahav Shani © Marco-Borggreve
Marco-Borggreve
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Philharmonie Berlin - Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Lahav Shani

Bewertung:

Magisch liegt das ruhende Meer ohne einen Lufthauch – schlecht für Segelschiffe. Dann der erste Lufthauch, der ja auch ein Sturm werden könnte.

Wir erleben musikalische Luft, eine organisches Anschwellen. Lahav Shani und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin entfalten berückende Atmosphäre und gestalten Mendelssohns Meeresstille-Glückliche Fahrt exemplarisch.

Tabea Zimmermann, Bratsche; Foto: Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Tabea Zimmermann ist eine so souveräne und starke Künstlerpersönlichkeit, dass man als Orchester auch ins Hintertreffen geraten kann. Aber das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und der wach und sensibel agierende Dirigent sind ideale Partner in Waltons Viola-Konzert. Zwischen betörender Innenschau und umtriebiger Außenwelt schwankt die Musik. Und so wird der permanente Wechsel niemals langweilig. Ein wenig rückwärts gewandt, aber ein wunderbares Konzert.

Dass Zimmermann, die unglaublich unprätentiöse Meisterin, auch äußerst virtuos agieren kann, beweist sie in der Zugabe von Paul Hindemith, bei der man kaum noch die Finger sieht, so schnell fliegen sie über das Griffbrett.

Tschaikowskis 4. ist Seelenbekenntnis eines verzweifelt mit dem Schicksal Ringenden. Lahav Shani spitzt die äußeren Schläge des Schicksals, die Zumutungen der Welt, auf drastische, harte, fast schrille Weise zu. Auch Tempi werden ins Extrem getrieben. Das Resultat überzeugt, weil nichts aufgesetzt wirkt, alles aus einer Idee gespeist wird.

Wieder ist das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Höchstform, Shani bleibt bei aller Zuspitzung ein überlegener Dirigent. Das wird ein ganz Großer.

Clemens Goldberg, kulturradio

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