Randi Tytingvåg: "Red"
Jazz
Skandinavien – dieser Teil der Welt scheint ein unerschöpfliches Reservoir für Sängerinnen zu sein. Vor allem in Schweden und Norwegen gibt es immer wieder neue Entdeckungen zu machen. Eine dieser Entdeckungen ist Randi Tytingvåg – zumindest hierzulande und wahrscheinlich auch im Rest Europas und der Welt. In ihrer norwegischen Heimat ist sie indes wahrlich keine Unbekannte. Schon 2001 gab sie nach einem Studium in London ihr Jazz-Gesangsdebüt auf dem Maijazz Festival, 2004 erschien ihr erstes, 2006 ihr zweites Album.
Randi Tytingvåg (Jahrgang 1978) setzt sich stilistisch bewusst zwischen die Stühle. Sie hat eine große Jazzaffinität, aber sie ist keine lupenreine Jazzsängerin. Ihre fast ausschließlich selbst komponierten (und getexteten) Songs sind ebenso von Folklore durchströmt wie von Kammermusik, Pop, Tango und Chansontraditionen.
Piano, Fender-Rhodes, Akkordeon, Cello, Bass, Gitarre, Klarinette und Schlagzeug prägen neben der klaren und zarten, aber dennoch durchdringenden Stimme das Klangbild von Randi Tytingvågs drittem Album, Red, auf dem sie etliche kleine Geschichten erzählt. Geschichten, die das Leben schreibt und die von sensibler Beobachtungsgabe und Sprachgefühl zeugen. Im Titelsong Red Or Dead ("Rot oder tot") heißt es: "Ich höre oft, ich fordere viel, ich versuche nur, ich selbst zu sein, all das zu geben, was ich bekommen habe. Wenn ich versucht habe, diskreter zu sein, muss sich meine Seele ducken und werd kalt. Ich denke, ich brauche die Hitze."
Nachdem Randi Tytingvåg bereits im Januar 2008 ein (fast unbemerktes) Konzert im Berliner Jazzklub b-flat gab, wird ihr Konzert am 1. Oktober 2009 am selben Ort hoffentlich mehr Aufmerksamkeit finden. Dann kann man auch schon das neue Album bekommen, das in Deutschland erst am 16. Oktober 2009 offiziell in die Läden kommt.
Ulf Drechsel, kulturradio
Bewertung:
Stand vom 30.09.2009