
Sommerlich-leichte Kost verspricht schon das Cover mit einem morgendlichen Blick auf das barocke Wasserschloss Moritzburg. Auf der Speisekarte stehen Variationen zum Thema Forelle.
Ausgangspunkt ist Schuberts gleichnamiges Lied, hier nicht in der derzeit inflationär anzutreffenden Fassung mit Bratsche und Klavier, sondern dem Text gemäß sehr geschmackvoll dialogisch serviert.
Als Hauptgericht wird Schuberts Forellenquintett aufgetischt, mit Liebe zum Detail angerichtet. Bedächtig, in gemessenem Tempo, ja fast behutsam gehen die Interpreten mit der Forelle um, vom befeuernden Kontrabass gewürzt. Die Stimmen sind gut ausbalanciert, das Ganze kammermusikalisch durchhörbar, ohne hallige Soße, eine Wohltat für die Ohren.
Die Musiker haben da etwas angerichtet ...
Kreativität kennzeichnet die anderen Gänge, denn mehrere der beteiligten Musiker, allesamt europäische Sptzenklasse, pflegen hier eine Kunst, die zu Mozarts Zeiten üblich war – sie komponieren, improvisieren und interpretieren in Personalunion. Von der norwegischen Wildforelle in majestätischer Fjordlandschaft, garniert mit einer Hardangerfiedel, bis zur leicht angejazzten „Forelle blue“ für Violine und Akkordeon –unterschiedliche Geschmacksrichtungen werden locker zu einem Menü zusammengestellt.
Einen etwas ironischen Einblick in das Kochstudio der Komponisten gewinnt man beim unvoreingenommenen Hören in jedem Fall, und es fasziniert, was man mit dem „Ohrwurm“-Thema der Forelle alles anfangen kann. Dabei haben die Musiker durchaus eher den Feinschmecker, denn den Liebhaber derber Hausmannskost vor Augen.
... ein ganzes Forellen-Menu - leckerer Ohrenschmaus
Frische „Moritzburg-Atmosphäre“ zu kredenzen versprach der Festivalchef, Cellist Jan Vogler. Und das ist ihm und seinen Freunden mit dieser CD wirklich gelungen, auch wenn sie im Studio entstand und mit nur rund 60 Minuten Länge den Appetit nicht gänzlich zu stillen vermag. Die Produktion lebt von der originellen Zusammenstellung - das ist belebende, schmackhafte leichte Kost in ansprechender Qualität: empfehlenswert.
Vorgeschmeckt von Cornelia Schönberg, kulturradio