Aktueller Musiktitel:
Sergej Prokofjew
Sinfonie Nr. 1 D-Dur, op. 25

Signum Quartett: Quartet movements (Montage rbb)

Fr 06.01.2012

CD

"Quartet Movements" Werke von Schubert, Wolf, Orff, Rihm u.a. mit dem Signum Quartett

Das Streichquartett ist die alte ehrwürdige Form der Kammermusik, doch die neue CD des Signum-Quartetts lässt einen doch etwas staunen und macht auch ein wenig ratlos - einzelne Quartettsätze versammeln die vier Streicher der deutsch-niederländischen Formation hier. Allesamt Werke, die wie Fragmente wirken, wie Bruchstücke von Komponisten, die die Lust am Schreiben verloren haben.

Bruchstücke
Doch das Signum-Quartett ist fasziniert von diesen Torsi und kurzen Sätzen, die bei Franz Schuberts Quartettsatz von 1820 ihren Ausgangspunkt haben. Er hat damit eine Art Gattung geschaffen, den "Quartettsatz", denn vieles lässt sich in einem Satz sagen, nicht gezwungenermaßen in vieren.

Ganze Werke
Doch nicht nur Unvollendete Werke finden sich auf dieser CD. Zum Beispiel hat der ansonsten nur als Liedkomponist bekannt gewordene Hugo Wolf eine sehr schwungvolle leichte "Italienische Serenade" für Quartett geschrieben - sie eröfnet diese sehr abwechslungsreiche Einspielung.

Zartes Spiel

Und ein nicht allein von ihrem Titel her sehr schönes Werk beweist, es muss nicht immer eine Art Sinfonie für Quartett sein - "Crisantemi" von Giacomo Puccini. Der Opernmeister hat auch Kammermusik geschrieben. Eine sechsminütige Trauerode auf einen verstorbenen Freund, die er in einer Nacht geschrieben haben will. Ein Vorbote seiner darauf folgenden asiatisch-exotischen Opern, von Madame Butterfly bis zur Turandot... Eine enorm fragile Musik - das Signum Quartett spielt das ungemein einfühlsam und zart, wie hingehaucht...

Hoc signum vincet
Signum ist kein neues Ensemble. Seit 1994 firmiert es unter diesem Namen, in der heutigen Zusammensetzung spielen die Vier seit 2007, drei deutsche Musiker, die beiden Geigerinnen Kerstin Dill und Anette Walther und der Cellist Thomas Schmitz, seit fünf Jahren ist der Niederländer Xandi van Dijk als Bratscher dabei.

Das Quartett kennt man vielleicht deshalb nicht so gut wie andere, weil sie oft als Botschafter Deutschlands in der Welt unterwegs sind. Das Goethe-Institut schickt die Vier häufig nach Asien, aber auch nach Afrika und Lateinamerika. Und dort spielen sie nicht nur Klassisches, sondern auch Modernes.

Mit Rihm verwachsen
Den Quartettsatz von Wolfgang Rihm haben sie zum Beispiel in Südostasien häufig präsentiert und sind mit ihm quasi verwachsen. Dieses weit ausholende Stück ist Dreh-und Angelpunkt dieser CD. Ein typischer Rihm, ein zerklüfftetes hoch expressives Stück, voll gelehriger Anspielungen auf die Musikgeschichte, vor allem auf den Quartettsatz Schuberts. Voller technischer Raffinessen und voller rhythmischer Energie des jüngeren Wolfgang Rihm. Aber die neue CD des Quartetts ist gerade auch durch ihre intelligente Vielfalt so besonders und empfehlenswert - auch durch solche Petitessen wie das Scherzo von Charles Ives, ein wirklich lustiges kurzweiliges und kurzes Stück, das die elegische Grundhaltung so vieler Streichquartette aufbricht.

Entdeckungsreisen noch und nöcher
Die CD bietet reihenweise Entdeckungen wie zum Beispiel ein Quartettsatz des ganz jungen Carl Orff, sehr schwankend zwischen Romantik und Impressionismus; auch nie zu hören, weil es eben dem Bild, was man von diesem Komponisten hat, so komplett widerspricht. Ohne jede Archaik und gekünstelte Sprödheit. Das Signum Quartett spielt diese Entdeckung geradezu kulinarisch, süffig, trunken... Und auch Anton Webern ist hier nicht der spröde Erfinder zwölftonaler SMS-Nachrichten, sondern in seinem "Langsamen Satz" ein verliebter Romantiker.

Lust am eigenen Spiel
Aber nichr nur was, sondern auch wie das Signum-Quartett spielt, ist hervorragend. Einerseits technisch ausgereift, andererseits spürt man Neugier und Erstaunen - es ist regelrecht zu hören, wie den vier Musikern immer wieder der Mund offen steht vor den unerwarteten Klängen, die sie da hervorbringen. Also Reife und Erfahrung sind hier gepaart mit der Lust am Risiko.
Diese CD eröffnet außerdem - ein weiteres Plus - Einsteigern in die Gattung "Streichquartett" einen attraktiven Weg, die ansonsten von diesem hehren Kanon an unzähligen großartigen Werken von Haydn über Mozart, Beethoven bis Schostakowitsch eher abgeschreckt sind.
Volker Michael, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/cd/2012/_quartet_movements.html

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