Aktueller Musiktitel:
Sergej Prokofjew
Sinfonie Nr. 1 D-Dur, op. 25

Bach, Sinfonia (Montage rbb)

Di 10.01.2012

CD

Sinfonia - Bach mit der Accademia Bizantina

Bewertung: annehmbar

Als instrumentales Vorspiel zu einem Vokalwerk hat die „Sinfonia“ seit Beginn des 17. Jahrhunderts eine lange Tradition. War es zunächst ein nur kurzes Instrumentalstück, das den Hörer auf die anschließende Oper, Kantate oder Arie einstimmen sollte, gewann die Sinfonia im 18. Jahrhundert an Bedeutung und Umfang. Mitte des 18. Jahrhunderts etablierte sich die mehrsätzige italienische Opern-Sinfonia als direkter Vorläufer der klassischen Sinfonie.

Eigenständige Einführungssätze
Johann Sebastian Bach hat in etwa 30 seiner überlieferten Kantaten Instrumentalsätze eingefügt, die sich allerdings stilistisch stark voneinander unterscheiden. In den frühen, in Mühlhausen oder Weimar entstandenen Kantaten sind es meist recht kurze Sätze, die in ihrem Charakter auf den Eingangschor hinführen und allesamt original für diesen Zweck komponiert wurden.

Die Sinfonien der Leipziger Kantaten dagegen sind nicht nur wesentlich länger, sondern basieren auch mehrheitlich auf früheren Instrumentalwerken Bachs, die für den neuen Einsatz arrangiert und umbesetzt wurden.

Leidenschaftliche Musiker
Das italienische Barockorchester Accademia Bizantina hat nun 19 Sinfonien, Sonaten und Concerti aus Bach-Kantaten auf einer CD vereinigt. Die Musiker wählen frische Tempi, musizieren mit Leidenschaft und sind als Ensemble gut aufeinander eingestellt. Dennoch ergeben sich einige Trübungen im Gesamtklang, etwa beim Zusammenspiel von Flöten und Streichern in der Sinfonia zu BWV 18 oder im etwas zu wuchtigen Hörnerschall des Concertos zu BWV 174. Ist dies leicht zu verschmerzen, so liegt doch ein stärkeres Defizit der Aufnahme in der Solo-Orgel, die in etlichen Sinfonien zum Einsatz kommt.

Merkwürdige Zusammenstellung und Orchestrierung
Ottavio Dantone, der Ensembleleiter, spielt diese Stimmen zwar mit überlegenem Können und großer Virtuosität, wählt dafür aber eine kleine, „piepsige“ Truhenorgel, wie sie allenfalls als Continuoinstrument, aber nicht als Soloinstrument sinnvoll ist. Warum nutzt man als wirklich kundiges Barockensemble für solch eine Aufnahme nicht eine der vielen großartig erhaltenen oder restaurierten Orgeln des frühen 18. Jahrhunderts?
Schließlich darf man sich die Frage stellen, ob eine solche Repertoire-Zusammenstellung auf einer CD tatsächlich sinnvoll ist. Alle Stücke sind aus dem Zusammenhang und damit aus ihrer ursprünglichen Funktion einer Hinführung zum Vokalen gerissen.
Bernhard Schrammek, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/cd/2012/accademia_bizantina.html

Fenster schließen!