Aktueller Musiktitel:
Sergej Prokofjew
Sinfonie Nr. 1 D-Dur, op. 25

Dobrzyński/Lessel/ Piano Concertos (Montage rbb)

Mi 01.02.2012

CD

Franciszek Lessel und Ignacy Feliks Dobrzynski: Klavierkonzerte

Bewertung: großartig

Der britische Pianist und Dirigent Howard Shelley ist vor allem im Umkreis der brillanten Frühromantik zu Hause. Mit Komponisten wie Moscheles, Hummel und Cramer ist er vertraut, wie kaum ein anderer. Aber auch Mozart und Gershwin gehören zu seinen Favoriten. Er ist ein Experte der Leichtigkeit im Virtuosentum.

In den Jahren 2009 und 2010 war er in Warschau beim Chopin-Festival zu Gast und hat zwei Konzerte aus der Nachbarschaft von Chopin gespielt. Gemeinsam auf CD bieten sie nun einen anregenden Einblick in die Musikwelt des frühen 19. Jahrhunderts.

Bester Virtuosenstoff

Frantiszek Lessel war eigentlich Architekt und verdiente sein Geld als Güterverwalter und Schulinspektor. Musikalisch ging er bei Joseph Haydn in die Lehre und gab um 1810 als Pianist Konzerte in Wien und Polen. Sein Klavierkonzert von 1813 ist bester Virtuosenstoff. Die Themen sind klar umrissen und werden vom Solisten fein ausgesponnen, die Inspiration reißt dabei nie ab. Das Orchester ist ein gleichberechtigter Partner, hält sich aber in den solistischen Passagen zurück. Die Überraschungseffekte sind eher sanft.

Das Konzert von Ignacy Feliks Dobrzynski klingt schon wuchtiger und romantischer in die Richtung von Weber und Chopin. Der Komponist studierte immerhin gemeinsam mit Chopin bei Józef Elsner, nachdem er schon als Wunderkind bekannt geworden war. Später gründete er ein Orchester und eine Musikschule in Warschau. Die Nähe zu Chopin ist in dem Konzert auch hörbar, der Autor des CD-Beihefts vermutet sogar, dass Chopin bei Dobrzynski abgeschrieben haben könnte. Die Themen sind frisch und packend, das Werk hat einen dramatischen Zug und überzeugt vor allem in dem auf ein einziges Motiv gegründeten Mittelsatz.

Hervorragend
Howard Shelley präsentiert hier zwei hervorragende Ausgrabungen. In den Live-Aufnahmen ist er unglaublich sicher in der Beherrschung der virtuosen Passagen. Bewundernswert ist auch, wie er gleichzeitig solistisch spielt und das Orchester leitet. Nur an wenigen Stellen fehlt offenbar dem Orchester ein wenig die orientierende Hand eines Dirigenten.
Dirk Hühner, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/cd/2012/franciszek_lessel.html

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