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Wer sich entschieden hat, als Kammermusikensemble zusammen Klaviertrios zu spielen, hat eine ganz ordentliche Auswahl an Literatur, vor allem in Klassik und Romantik findet man großartige Werke, von Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Brahms und vielen mehr. Das renommierte Trio Jean Paul hat davon schon ziemlich viel gespielt, für Brahms und Schönberg gab es sogar den 1. Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Dennoch hat ein Komponist bislang gefehlt in der Reihe der CD-Einspielungen des Trios, den haben sich die drei Musiker bis jetzt aufgespart: Franz Schubert.
Wer sich auf Schubert einlässt, sieht sich Grenzerfahrungen gegenüber
Schuberts Klaviertrios B-Dur und Es-Dur sind erst jetzt auf der neuen CD des Trios zu hören, außerdem ein früher Sonatensatz B-Dur D 28 und das posthum veröffentlichte Adagio Es-Dur D 897, das als Notturno bekannt ist. Das könnte man erstaunlich finden, denn das Trio Jean Paul ist ja ein sehr renommiertes, weltweit bekanntes und von Publikum und Kritik gleichermaßen hochgelobtes Ensemble, und die Klaviertrios von Schubert sind herausragende Werke. Doch wer sich mit Schubert schon intensiv beschäftigt hat, der weiß: Da sieht man sich Grenzerfahrungen gegenüber, so beschreibt auch das Trio selbst das im Beiheft, das macht man nicht mal eben so im Vorbeigehen.
Die Stücke sprengen die Grenzen der Zeit und gewissermaßen auch die Grenzen des Inhalts, was Musik transportieren kann. Beide Klaviertrios sind Spätwerke, Ende der 1820er Jahre, also kurz vor dem Tod Schuberts entstanden, und dennoch seine ersten Klaviertrios. Damals war er zwar selbst erst Anfang dreißig, aber trotzdem ein sehr reifer Komponist, der in diesen letzten Jahren mehrere wegweisende Werke komponiert hat, die Unvollendete Sinfonie zum Beispiel und die Winterreise.
Eine ganze Welt aus Tönen
Die beiden Trios stecken randvoll mit Emotionen, da steht Lebenslust neben Todessehnsucht, da tanzt die Musik, dann wirkt sie wieder geradezu meditativ entrückt, da wird das Leben umschrieben in seiner ganzen Fülle und noch darüber hinaus - viele verschiedene Schichten kann man da hören, wenn man sich drauf einlässt. Zusammengehalten werden sie von diesem ganz bestimmten Schubert-Ton. Den zu treffen, braucht es ein wirklich gutes Ensemble, viel Erfahrung und lange Beschäftigung mit Schuberts Musik. Überdies sind beide Trios ausgesprochen lange Stücke – daher ist die vorliegende eine Doppel-CD, auf eine allein hätten die beiden Trios nicht zusammen gepasst. Das Trio Jean Paul hat sich Schubert also nicht ohne Grund bis jetzt aufgespart.
Sehr verbundenes Spiel
Die drei Musiker des Trio Jean Paul – das sind Eckhart Heiligers, Klavier, Ulf Schneider, Violine und Martin Löhr, Cello – hören ganz außergewöhnlich gut aufeinander. Sie reagieren jeweils auf die kleinsten Feinheiten im Spiel der anderen beiden Musiker, das ist ein sehr gemeinsames Tun, sie spielen sehr verbunden, und sie haben nicht zuletzt einen herrlichen Klang. Und sie lassen sich auch emotional ganz auf Schuberts Seelenlandschaft ein: Eine sehr intensive, sehr hörenswerte Aufnahme.
Anja Herzog, kulturradio