Aktueller Musiktitel:
Sergej Prokofjew
Sinfonie Nr. 1 D-Dur, op. 25

Friedrich den Große - Musik aus Sanssouci; Montage: rbb

Di 24.01.2012

CD

"Friedrich der Große – Musik aus Sanssouci"

Bewertung: annehmbar

Als Charles Burney 1772 nach Berlin kam, hörte er dort den immerhin schon 60-jährigen König Friedrich II. Flöte spielen und urteilte beeindruckt: "Sein Spielen übertraf in manchen Puncten alles, was ich bisher unter Liebhabern, oder selbst von Flötenisten von Profession gehört hatte. Se. Majestät spielten drey lange und schwere Konzerte gleich hintereinander und alle mit gleicher Vollkommenheit."

Tatsächlich gehörte das Musizieren für Friedrich lebenslang zum täglichen Ritual. Er komponierte zahlreiche Werke, bestimmte mit seinem Geschmack das Repertoire der Hofmusik, verfasste persönlich die Libretti für seine Hofoper und leistete als Flötist Erstaunliches.

Die Repertoireauswahl ist nicht originell
Der Geiger Daniel Hope, der sich selbst als großer Bewunderer des Preußenkönigs bezeichnet, hat mit dem Orchester l’arte del mondo und einigen Solisten eine eigene Hommage an Friedrich zusammengestellt. Die CD unter dem Titel Musik aus Sanssouci enthält eine Sinfonia von Friedrich, eine Violinsonate von Carl Philipp Emanuel Bach, einen Auszug aus dem Musikalischen Opfer von Johann Sebastian Bach, ein Flötenkonzert von Quantz sowie eines von Friedrich, letzteres allerdings in Hopes Bearbeitung für Violine und Orchester. Diese Repertoireauswahl ist zwar akzeptabel, aber angesichts der vielen unbekannten Werke von Schaffrath, Nichelmann, Graun, Benda u. a. auch nicht ausgesprochen originell.

Die Musiker spielen virtuos
Das Orchester l’arte del mondo, sonst der historischen Aufführungspraxis verpflichtet, musiziert Daniel Hope zuliebe auf modernen Instrumenten und in heutiger Stimmtonhöhe. Die Musiker sind zwar hervorragend präpariert und spielen mitreißend virtuos, man vermisst aber ein warmes, eben barockes Klangbild. Daniel Hopes Geigenspiel ist gleichfalls perfekt, besitzt aber einen virtuos-romantischen Impetus, der dem Repertoire nicht zuträglich ist. Am besten gelingt dabei noch die C. P. E. Bach zugeschriebene Violinsonate g-Moll, die er gemeinsam mit Raphael Alpermann am Cembalo spielt.

So klang es nicht
Die junge Flötistin Daniela Koch meistert Quantz' Flötenkonzert in eindrucksvoller Manier, allerdings wäre auch hier die Wahl einer Traversflöte aus Holz wesentlich passender gewesen. Hopes Bearbeitung schließlich eines Flötenkonzerts Friedrichs für die Violine bleibt fragwürdig: Er macht daraus ein rasantes Violinkonzert, das mit dem "Flötenkönig" in keinerlei Beziehung steht.

"So klang es in Sanssouci zu Zeiten Friedrichs des Großen!" steht werbewirksam auf der CD geschrieben. – Nein, so kann es keinesfalls geklungen haben.
Bernhard Schrammek, kulturradio

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/cd/2012/friedrich_der_grosse.html

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