
Bewertung: ![]()
Der Mozart- und Beethoven-Zeitgenosse Justin Heinrich Knecht (1752–1817), der einen Großteil seines Lebens als Musikdirektor in der Freien Reichsstadt Biberach verbrachte, ist heute nach wie vor nur sehr wenig bekannt. Allenfalls seine Schriften, darunter Orgel- und Klavierschulen, kursieren als Dokumente der klassischen Musiktheorie in Fachkreisen. Seine Kompositionen aber – darunter geistliche und weltliche Vokalwerke, Sinfonien, Kammermusik und Orgelstücke – harren größtenteils noch ihrer Wiederentdeckung.
Die spektakulärste Komposition Knechts
Frieder Bernius hat nun mit der Hofkapelle Stuttgart – wohl auch aus Lokalpatriotismus – eine beispielhafte CD mit Werken von Knecht vorgelegt. Sie präsentiert zu Beginn die ohne Zweifel spektakulärste Komposition Knechts, die Grande Symphonie „Le Portrait musical de la Nature“. Dieses 1784 vollendete Werk ist ein direkter Vorläufer von Beethovens „Pastorale“, werden doch auch hier Empfindungen aus der Natur nach einem konkreten Programm in Musik umgesetzt. In den fünf Sätzen hört man die friedliche Natur ebenso wie ein dramatisches Gewitter und den abschließenden Lobpreis der Natur gegenüber dem Schöpfer.
Präsentation auf höchsten Niveau
Die Hofkapelle Stuttgart unter Frieder Bernius interpretiert diese zupackende, harmonisch komplexe und insgesamt überaus zugängliche Musik auf höchstem Niveau. Farbig und transparent schillern die einzelnen Orchesterinstrumente und bewirken einen sehr angenehmen Gesamtklang. Ein „Klassenunterschied“ zu den vermeintlich übermächtigen Klassikern Mozart, Haydn und Beethoven ist nicht vernehmbar.
Ergänzt wird die Grande Symphonie durch drei Arien aus Knechts Oper „Der Schulz im Dorfe“ (1788) sowie zwei Ouvertüren und die „Bravour-Aria zur Musikalischen Szene auf des Königs Geburtsfest“ (1807). Die Sopranistin Sarah Wegener glänzt hier mit ihrer klaren, differenzierten und auch den anspruchsvollen „Bravour“-Koloraturen gewachsenen Stimme. Auf diesem Niveau wünscht man Justin Heinrich Knecht viele Zuhörer.
Bernhard Schrammek, kulturradio