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Die US-amerikanische Geigerin Hilary Hahn füllt nicht nur die Konzertsäle dieser Welt, sie ist auch mit ihren Studioaufnahmen überaus erfolgreich. Drei Echo-Klassikpreise und einen Grammy kann sie mit ihren 32 Jahren vorweisen. Jetzt hat Hilary Hahn zusammen mit der ukrainischen Pianistin Valentina Lisitsa ein neues Album herausgebracht: die vier Violinsonaten von Charles Ives.
Anspruchsvolles Repertoire
Seit langem schon verehre sie die Musik von Charles Ives, schreibt Hilary Hahn im Booklet ihrer neuen CD. Das erste Stück von ihm, was es ihr so richtig angetan hat, war die dritte Violinsonate. Doch das Einstudieren erwies sich als gar nicht so einfach: waghalsige Angaben zu Artikulation, Akzenten, Tempo und Rhythmus mussten erst einmal entziffert und gedeutet werden. Vor dieser Aufgabe standen auch schon die Geiger zu Ives Lebzeiten. Lange wollte oder konnte sich kein passabler Solist auf die Sonaten einlassen, so dass sie erst viele Jahre nach ihrer Entstehung (zwischen 1914 und 1917) uraufgeführt werden konnten.
Typisch amerikanisch
Wie in vielen Werken von Charles Ives treffen auch in den Violinsonaten die zahlreichen musikalischen Einflüssen des Komponisten aufeinander. Neben klassischen und experimentellen Elementen sind es die typischen amerikanischen Ragtimes, Märsche, Tänze, patriotische Lieder, aber auch traditionelle Kirchenlieder, die diesen ausgeklügelten Stücken den letzten Schliff geben. Bruchstückhaft, teils stark synkopisiert, jongliert Ives die Musik seiner Heimat – immer mit einem schelmischen Augenzwinkern.
Referenzstatus
Hilary Hahn und Valentina Lisitsa meistern die Herausforderungen der Ivschen Violinsonaten mit Finesse und hörbarer Spielfreude. Der Klang, den sie aus den teils vertrackten, teils sich windenden Stücken herausholen, das ist schlichtweg atemberaubend. Es ist eben nicht die reine Kopfleistung, die da umgesetzt wird - ein häufiger, von mir übrigens nicht geteilter Kritikpunkt an Hilary Hahns Spiel – vielmehr ist es die persönliche und emotionale Aussagekraft, die die Sonaten sofort authentisch wirken lässt. Im Handumdrehen schwenkt Hahn von der virtuosen Geige zur Saloonfidel um, und auch ihre Ragtimestellen haben den nötigen Drive.
Valentina Lisitsa erweist sich als solide und (den Sonaten angemessen) eigenständige Begleiterin. An manchen Stellen wünscht man sich ihren Rag noch ein wenig ungezwungener. Alles in allem aber merkt man dieser Aufnahme den Reifeprozess der zuvor absolvierten Tourneen an. Andernfalls könnte man diese Sonaten nicht so überzeugend präsentieren.
Ulrike Klobes, kulturradio