Play Schumann; Adrien Boisseau

CD-Kritik - Play Schumann

Bewertung:

Bratscherwitze adé! Die jungen Bratschisten sind talentiert, selbstbewußt und haben etwas zu sagen. So wie Adrien Boisseau.

Die Bratsche hat längst ihre Stellung im Hintergrund aufgegeben und präsentiert sich selbstbewußt. Die neue, junge Generation der Bratschisten geht also mit den besten Voraussetzungen an den Start. Ihr gehört der Franzose Adrien Boisseau an, 24 Jahre alt. Er hat in Paris studiert und hat sich dann noch Anregungen von den Besten geholt – bei Veronika Hagen in Salzburg, bei Tabea Zimmermann in Berlin und an der Kronbergakademie bei Nobuko Imai. Und Preise hat er natürlich auch gesammelt, unter anderem beim Bashmet-Wettbewerb in Moskau, eine Art Meisterprüfung.

International von sich reden gemacht hat Adrien Boisseau Anfang dieses Jahres, als er das Bratschenpult im renommierten Quatuor Ebène übernahm.

Leicht und elegant

Adrien Boisseaus Bratschenton ist hell, fast silbrig, sein Spiel atmet Leichtigkeit und Eleganz, ist farbenreich, flexibel und dabei natürlich. Auch die Balance zu seinen beiden Mitspielern ist ausgewogen. Nicht zuletzt hat Adrien Boisseau in dem 27 Jahre alten Pianisten Gaspard Dehaene einen Partner auf gleicher Wellenlänge. Gaspard Dehaene gewinnt seinem teils technisch schweren Part die passende Eleganz ab, und so entspinnt sich ein abwechlungsreicher Dialog.

Gelungener Einstand

Die Zusammenstellung der Märchen- und Fantasiebilder von Robert Schumann ist gelungen, auch wenn nicht alles Originalkompositionen für die Bratsche sind. Aber das hat bereits Schumann teilweise in das Belieben der Musiker gestellt. Der Komponist äußerte weder Vorliebe noch Abneigung der Bratsche gegenüber, ihm war der poetische Ton wichtig. Nun ist die Bratsche eine wunderbare Erzählerin, was Schumann wusste, nachdem er gute Bratschisten kennengelernt hatte. Seine Märchenbilder op. 113 hat er auch zuerst „Violageschichten“ betitelt. Ganz im Sinne von Schumann vermag Adrien Boisseau sein Instrument je nach poetischer Stimmung passend einzusetzen.

Ein viel versprechender Einstand und wieder einmal ein nachdrückliches Plädoyer für die Bratsche.

Cornelia Schönberg, kulturradio